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  Ortsgeschichte / Denzlingen im 19. Jahrhundert / Zeittafel

Quellen: >> siehe Veröffentlichungen
Aus den Quellen übernommene Texte sind in blauer Schrift hervorgehoben
[1.2]
"Denzlingen, eine alemannische Siedlung im Breisgau", 1984

[1.6] Denzlingen" Ortschronik, Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des zweiten Weltkrieges, 2010

weitere Quellen:
[GA-DE. 1 A-390. Kirchen, Bau u. -Unterhaltung 1848-1942]
[GA-DE. 1B-405/1, Gemeinderechnung 1870]
[GA-DE. 1A-390, Bau und Unterhaltung der Kirche, 1848-1942]
[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]
[EPfAD. Baufondsrechnung 1897/98]

Diese Seite dokumentiert Ereignisse in Form einer Zeittafel. Eine wesentlich ausführlichere Darstellung des Jahrhunderts mit Bildern finden Sie >> hier

 

Die Auflösung des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation", Napoleons Aufstieg, seine Kriege und Schlachten und die dadurch ausgelösten territorialen Veränderungen bringen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewaltige politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. Trotz aller Bemühungen der Restauration führt die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und Einheit nach der französischen Revolution und das mit der Industrialisierung einhergehende Bestreben nach Liberalisierung der Märkte allmählich zu demokratischer und parlamentarischer Mitbestimmung. Aus dem Flickenteppich kleiner und kleinster Fürstentümer zu Beginn des Jahrhunderts entsteht schliesslich das Deutsche Kaiserreich.

 

Die Markgrafschaft Baden wird unter Markgraf Karl Friedrich 1803 zum Kurfürstentum und 1806 zum Großherzogtum von Napoleons Gnaden aufgewertet. Die Einbeziehung des vorderösterreichischen Breisgaus ist von besonderer regionaler Bedeutung. Zur gleichen Zeit kommt es zur Aufhebung (Säkularisation) der Klöster (Tennenbach, St. Peter), der Stifte (Waldkirch) und Orden (Deutschorden Freiburg).

 

Als Folge dieser Ereignisse entfällt die Landesgrenze zwischen Denzlingen und seinen bisherigen österreichischen Nachbarn Buchholz, Glottertal, Heuweiler, Reute und Suggental . Die teilweise heute noch vorhandenen Grenzsteine am Einbollen und Flissert, die erst 1792 als Markierung der Landesgrenze errichtet worden waren, zeigen danach nur noch Ortsgrenzen in einem gemeinsamen Herrschaftsgebiet an. Die Bewohner dieser Ortschaften können sich nun ungehindert zwischen diesen bewegen, auch im Nachbarort arbeiten oder dort gar niederlassen. Aus den umliegenden (ehemals österreichischen Ortschaften) ziehen nun auch Menschen mit katholischer Konfession in den Ort. Für die alteingesessenen evangelischen Einwohner ist dies zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, ist aber für die weitere Entwicklung Denzlingens von besonderer Bedeutung.

 

Bahnbrechende Erfindungen wie Dampfmaschine, Verbrennungsmotor und Elektrizität markieren den Beginn einer neuen Zeit, ebenso wie die großen Entdeckungen und Entwicklungen im medizinischen und kulturellen Bereich.

 

1843 wird die Eisenbahnstrecke Heidelberg — Karlsruhe, 1844 Karlsruhe — Offenburg und 1845 Offenburg — Freiburg eröffnet. Basel wird im Jahr 1855 an die Strecke angebunden und Konstanz schließlich im Jahr 1863 erreicht. Mit dem Bau der „Großherzoglichen Eisenbahn" erhält Denzlingen eine eigene Bahnstation. Am 31. Juli 1845 hält der erste Zug in Denzlingen.

 

Mit der Fertigstellung der Elztalbahn 1875 bis Waldkirch und 1901 bis Elzach wird die Denzlinger Bahnstation zu einer Umsteigestation und zum Umschlagplatz für Waren und Güter aller Art für die Gewerbebetriebe im Elztal. Als Folge dieser guten Bedingungen siedeln sich immer mehr tabakverarbeitende Betriebe und andere Firmen in Denzlingen an. Dadurch erhöht sich der Bedarf an Arbeitskräften und die Bevölkerungszahl steigt rasch an. Zu Beginn des Jahrhunderts zählt Denzlingen etwa 1.000 Einwohner. Am Ende leben 1.613 Menschen im Ort, was eine Zunahme von mehr als 60 % bedeutet. Denzlingen entwickelt sich langsam vom rein landwirtschaftlich geprägten Ort mit Hofbauern, Knechten und Mägden zu einer Gemeinde mit einem aufblühenden Gewerbe und einer wachsenden Arbeiterschaft. Vereine entstehen und führen die Menschen außerhalb der Arbeit und ihrer Familien zusammen. Die Ideale des Liberalismus stellen die religiösen und politischen Autoritäten zunehmend in Frage, so dass sich auch in Denzlingen die Gemeindeverwaltung und die Kirche zeitweise bedroht sehen und sich bemühen, die überlieferten Werte, Gesetze und die öffentliche Ordnung in einer vom Wandel geprägten Zeit aufrecht zu halten.

 

1801, Friedensschlusses zwischen Frankreich und Österreich in Luneville
Aus Anlass des Friedensschlusses werden für den 7. Juni 1801 im ganzen Großherzogtum Friedensfeste angeordnet.

1803, Markgrafschaft Baden wird zum Kurfürstentum
Die Markgrafschaft Baden wird unter Markgraf Karl Friedrich (*1728 -
1811) zum Kurfürstentum von Napoleons Gnaden aufgewertet. Der Markgraf wird zum Vasallen Napoleons.

 

1806, Markgrafschaft Baden wird zum Großherzogtum

Baden wird vom Kurfürstentum zum Großherzogtum aufgewertet. Umfang und Einwohnerzahl des Großherzogtums haben sich infolge des Friedens zu Preßburg und des Rheinverbundvertrages bis zum Tode Karl Friedrichs (1811) vervierfacht.

1806, Auflösung des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation"
Die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation", Napoleons Aufstieg und die dadurch ausgelösten territorialen Veränderungen lassen aus dem Flickenteppich kleiner und kleinster Fürstentümer zu Beginn des Jahrhunderts allmählich das Deutsche Kaiserreich entstehen.

1806, Kontributionen und Einquartierungen
Belegt durch Rechnungen der Gemeindestube, Birke und Krone.
 

1807, Hochzeit des Erbprinzen Karl Ludwig Friedrich von Baden
Zur Hochzeit des Erbprinzen Karl Ludwig Friedrich von Baden mit der Adoptivtochter Napoleons I., Stephanie de Beauharnais, muß die Gemeinde nochmals tief in die Gemeindekasse greifen: 882 Gulden müssen zu einem Geschenk der Markgrafschaft Hochberg beigesteuert werden. Eine weitere Feier gibt es 1808, bei der anlässlich des Friedensfestes nach dem Preußischen Krieg eine Kirchenmusik mit Musikanten veranstaltet wird.

 

1808, Napoleon fordert badische Soldaten für seinen Spanienfeldzug an.
Unter den 1.733 Infanteristen und 205 Artilleristen, die sich daraufhin am 24. August über Kehl auf den Weg durch Frankreich nach Spanien machen, sind auch der Denzlinger Christian Gaus, der noch im gleichen Jahr in Spanien ums Leben kommt.

1813 (20.2), Gemeinde erwirbt die Michaelskirche (heute Storchenturm)
Mit Erlass vom 20. Februar 1813 gibt das Großherzogliche Finanzministerium sein Einverständnis dazu. Die ehemalige Kirche soll in ein Feuerwehrgerätehaus umgebaut werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Feuerspritze, Feuereimer und Gerätschaften in den gegenüberliegenden Räumlichkeiten der ehemaligen Gemeindestube untergebracht, die 1798 verkauft worden war und seither als Wirtshaus „Stube" diente. Die Umbaumaßnahmen bringen tiefgreifende Veränderungen an dem Bauwerk der ehemaligen Michaelskirche mit sich, von der seit 1756 nur noch Mauerreste und der Turm übrig waren. Sie stand ursprünglich auf einer kleinen Anhöhe etwa 1 bis 1,5 Meter über dem Niveau der Dorfstraße. Damit die Feuerspritze ungehindert ein- und ausfahren konnte, wird der Boden des Kirchenraumes auf das Niveau der Straße abgesenkt. Durch diese Veränderung und weitere Umbauarbeiten ist vermutlich einiges an historischer Bausubstanz unwiederbringlich verloren gegangen.

  Kontakt

1. Vorsitzender
Joachim Müller-Bremberger,
Tel 07666 - 880309

Führungen im Heimethues
Manfred Wössner,
Tel. 07666 - 900457

Führungen im Storchenturm, Zeller Bilder
Daniel Böhler,
Tel. 07666 - 3637

Führungen im Storchenturm Gebäude und im Ort
Dieter Ohmberger,
Tel. 07666 - 2612

E-Mail

info@hugv-denzlingen.de

Karten und Ortspläne

>> Aktueller Ortsplan (pdf)
>> Denzlingen 1873

>> Dorfplan 1752

 

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1813
Denzlingen, auch wegen seiner Ausdehnung Langendenzlingen genannt, gehört zu dem zweiten Landamt Freyburg und zählt mit dem Stecken- und Mauracherhof 1028 Seelen, 1 Kirche, 1 Schule, 185 Wohngebäude. Eine Karte des Großherzoglich-Badischen Katasteramtes gibt einen Überblick über die Gemarkung Denzlingen und die überkommenen Flurnamen

 

1813 (16.-19. 10.) Völkerschlacht von Leipzig.
 

1813 – 1814, Lazarett und Massengrab in Tennenbach
Während der Befreiungskriege ziehen viele Tausend Soldaten der Koalitionstruppen auf ihrem Weg nach Frankreich durch den Breisgau - im Winter 1813/14 bis zu 210.000 Soldaten. Darunter befinden sich viele Verwundete und Kranke, für die in Freiburg und Waldkirch Lazarette eingerichtet werden. Doch diese sind bald überfüllt, so dass die seit der Säkularisation leer stehenden Klostergebäude der ehemaligen Zisterzienserabtei Tennenbach als zusätzliches Lazarett eingerichtet werden. Seit dem 12. Dezember 1813 werden dort verwundete und kranke österreichische und bayerische Soldaten versorgt. Viele leiden an Ruhr und Typhus. Etwa 1.500 von ihnen sollen im ehemaligen Kloster ihren Verwundungen oder den ansteckenden Krankheiten erlegen sein. Man bestattet sie in einem Massengrab im nahe gelegenen Wald, wo noch heute ein Denkmal an die Toten erinnert.

1813 – 1814, Kontributionen und Einquartierungen in den Befreiungskriegen
In der Gemeinderechnung von 1817 finden sich Ersatzforderungen Denzlinger Bürger an das Großherzogliche 2. Landamt Freiburg. Denzlinger müssen in den Jahren 1813/14 große Mengen an Hafer und Heu an das Militär liefern und werden dafür nur teilweise entschädigt. Alle diese Zahlungen tragen mit dazu bei, dass die Gemeindekasse wieder einmal leer wird und die Gemeinde sich um eine Aufbesserung ihrer Finanzen bemühen muß. Sie ist mit diesen Problemen nicht allein; auch die umliegenden markgräflichen Gemeinden klagen über leere Kassen. Aus dem Jahr 1814 findet sich der Hinweis, dass der Vogt Lörch wegen einer Reise im Jahr 1814 nach Basel, um alldort für mehrere Gemeinden Geld aufzunehmen, ... 5 Gulden 18 Kreuzer forderte. Auch die Handwerker haben in dieser Zeit viel zu tun, was die Gemeindekasse ebenfalls belastet: Für die durchziehenden Truppen müssen Wagen repariert, Pferde beschlagen, Uniformen ausgebessert und Schuhe repariert werden.

1813 (Dezember ), Hoher Besuch in Denzlingen
Im Dezember 1813 fahren Kaiser Franz I. von Österreich, König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und Zar Alexander I. von Russland mit ihrer Gefolgschaft auf ihrem Weg nach Freiburg durch Denzlingen (Manche Denzlinger werden staunend und vielleicht auch winkend an der Dorfstraße gestanden haben ..)
 

1814 (Mai ), Friedenschluß und Verbannung Napoleons auf die Insel Elba
Christian Rappold berichtet:
[1.6] "Die drei Monarchen kamen selbst in unsere Gegend und fahrten durch unser Dorf und hielten sich einige Zeit in Freyburg auf, all wo sie von da ihren Weg nach Frankreich und in einer kurzen Zeit nach Paris nahmen. Endlich wurde im May 1814 der Frieden geschlossen, und der Französische Kaiser Napoleon wurde vom Thron gestürzt und kam in die Verbannung auf die Insel Elba".

 

1814 - 1815, Wiener Kongress
Nach der Niederlage und Verbannung von Napoleon Bonaparte legt der Wiener Kongress vom 18. September 1814 bis 9. Juni 1815 in Europa die Grenzen neu fest und definiert neue Staaten. Unter der Leitung des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich beraten politisch bevollmächtigte Vertreter aus rund 200 europäischen Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten, (darunter alle bedeutenden Mächte Europas mit Ausnahme des Osmanischen Reiches). Die Großmächte Russland, Vereinigtes Königreich, Österreich, Preußen, die wiederhergestellte französische Monarchie und der Kirchenstaat spielen die führende Rolle. Die deutschen Probleme werden jedoch angesichts ihres Umfangs von den übrigen europäischen Angelegenheiten getrennt behandelt.

1816, Geburt des Erbgroßherzogs Alexander
Nach der Geburt des Erbgroßherzog Alexander am 1. Mai 1816 werden im ganzen Großherzogtum Freudenfeste veranstaltet. In Denzlingen wird dies am 5. Mai mit zahlreichen Böllerschüssen gefeiert. Der kleine Prinz stirbt jedoch kurze Zeit später wie sein bereits 1812 noch ungetauft verstorbener kleiner Bruder, der nach verbreiteter Ansicht (die von der Großherzogin Stephanie selbst geteilt wurde), der legendäre Kaspar Hauser gewesen sein soll.

1817, 300-jährige Jubiläum des Reformationstages
Das 300-jährige Jubiläum des Reformationstages am 31. Oktober 1817 wird in Denzlingen in großem Rahmen gefeiert. Johann Karl Deimling, von 1799 bis 1824 Pfarrer in Denzlingen, und Vogt Johann Georg Nübling hatten zu diesem Anlaß für den Festgottesdienst eine 16-köpfige türkische Musik aus Waldkirch verpflichtet. Für ein Paradieren in der Kirche wird die Bürgerwehr in Obergaloschen von einem bestellten Offizier zwei Wochen lang vorbereitet, und sie schießt vor und nach dem Gottesdienst Ehrensalven ab. Man läßt sich das Fest etwas kosten: Pfarrer, Ortsvorgesetzte, Musikanten und Bürgerwehr werden anschließend beim Stubenwirth Jacob Reitzel mit einem Freudenmahl bewirtet.

     

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1817, Chronist Rappold zur Auswanderung nach Amerika
G
roße Not und Elend veranlasst 71 Einwohner aus Verzweiflung gemeinsam mit Hunderten aus dem Amtsbezirk Emmendingen über Amsterdam nach Nordamerika auszuwandern. Die Ursachen für die große Not sind extrem schlechte Witterungsverhältnisse, insbesondere im Jahr 1816, mit viel Regen und Kälte, in deren Folge die Ernte fast völlig ausfällt und die Lebensmittel knapp und teuer sind. Die ärmeren Einwohner trifft dies besonders hart.

1832, Großer Brand in Denzlingen
In der Osternacht vom 22. auf den 23. April des Jahres 1832 gibt es in Denzlingen einen Großbrand, dem drei Häuser im Unterdorf zum Opfer fielen. Außer diesen Häusern werden noch weitere drei Scheunen mit Stallungen und die Bierbrauerei des Johann Adam Fieß vernichtet. Über die Brandursache ist nichts überliefert.

Da es damals üblich war, dass die zu Hilfe geeilten Feuerwehren nach Beendigung der Löscharbeiten in den Gasthäusern auf Gemeinderechnung bewirtet wurden, können wir aus den erhaltenen Belegen ersehen, aus welchen Orten Hilfe herbeigeeilt war. Für die durch Brand Verunglückten zu Denzlingen wird daraufhin im Amtsbezirk Emmendingen eine Sammlung milder Unterstützungsneiträge von wohltätigen Vaterlands- und Menschenfreunden veranstaltet. Dabei ist exakt vermerkt, welche Verluste die vom Brand Betroffenen erlitten haben. In einer Sitzung des Kirchengemeinderats am gleichen Tag über die Verteilung der Spenden entschieden. Aus den Feuerversicherungsbüchern ist ersichtlich, dass die Anwesen Fieß, Wagner und Sick schon im folgenden Jahr wieder in Stand gesetzt waren.

1833, Badisches Gesetz zur Ablösung des Zehnten verkündet
Am 17. Dezember 1833 wird das Gesetz zur Zehntablösung verkündet. Von den Anfängne bis zur gesetzlichen Regelung der Zehntablöung waren viele Jahre vergangen. Die Ermittlung und Berechnung der Zehnten war kompliziert. Im ausgehenden 18. Jahrhundert, waren die einzelnen Abgabeverpflichtungen kaum noch durchschaubar und permanent Anlass zu Auseinandersetzungen zwischen den Zehntpflichtigen und Zehntberechtigten. Der Verwaltungsaufwand war unverhältnismäßig groß.

Der Zehnte war ursprünglich eine Naturalsteuer, die Abgabe des zehnten Teils der Erträge aus Feldfrüchten, Forstwirtschaft und Viehzucht an die Kirche, später dann auch an weltliche Herrschaften. Den Zehntabgaben der Bauern standen in der Regel Gegenleistungen des Zehntempfängers gegenüber, d.h. Personalkosten für den Pfarrer sowie Bau- und Unterhaltspflichten für die Kirchengebäude. Zehntabgaben und Gegenleistungen bildeten ein kompliziertes Geflecht und lassen sich nicht immer klar und zweifelsfrei auf ihren Ursprung zurückführen.

Am 13. April 1832 schließen die evangelische Pfarrei Denzlingen und die Gemeinde einen Vertrag zur Aufhebung des Blutzehnten. Mit allen Zehntberechtigten und -pflichtigen im Ort muessen solche Ablösungen vollzogen werden. Immer sind zuerst der durchschnittliche Zehntertrag über den festgelegten Zeitraum und sodann dessen Wert zu ermitteln. Das zur Zehntablösung erforderliche Kapital hat oft eine hohe und lange Verschuldung der Bauern zur Folge.

 

Zur Finanzierung dieses hohen Kapitalbedarfs entstehen die Spar- und Darlehenskassen.

 

1833, Vorschlag zum Bau einer Eisenbahn von Mannheim nach Basel
Im Jahre 1833 wird der Regierung und dem Landtag vom Mannheimer Tabakfabrikanten Ludwig Newhouse der Bau einer Eisenbahn von Mannheim nach Basel vorgeschlagen. Das Gutachten über die wirtschaftlichen Aspekte des Eisenbahnbaus, von Staatsrat Karl Friedrich Nebenius, einem Mitglied der von Großherzog Leopold eingesetzten Kommission im Jahr 1837 vorlegt, bringt Argumente für den Bau dieser Eisenbahnstrecke vor, die einem neuzeitlichen Gutachten entnommen sein könnten: verstärkter Handel am Oberrhein, Hauptverkehrsroute Europas, vermehrter Warenaustausch, neue Arbeitsplätze. Als bekannt wird, dass auf der linken Rheinseite eine Bahnlinie von Basel nach Straßburg gebaut werden soll, beeilte man sich, um die Verlagerung der Handelsströme auf die linke Rheinseite zu vermeiden.

1834, Denzlingen hat 1197 (ev.) Einwohner,
2 katholische und 8 mennonitische
D
enzlingen hat unter dem Bürgermeister Johann Georg Wagner 1174 Einwohner evangelischer Konfession. Der Mauracher Hof hat 12 evangelische, der Steckenhof 11 evangelische, 2 katholische und 8 mennonitische Bewohner.

 
1838, Der Badische Landtag beschließt den Bau einer Eisenbahn auf Staatskosten
Im. März 1838 beschließt der Badische Landtag den Bau der Eisenbahn auf Staatskosten, von Mannheim nach Basel (und weiter bis Konstanz) und von Appenweier nach Kehl.

1840 - 1845, Bau der Eisenbahn
Am 12. September 1840 wird die Strecke Mannheim-Heidelberg in Betrieb genommen. Die ersten Lokomotiven kommen aus England und werden nach den badischen Wappentieren „Löwe" und „Greif" genannt. Ab 1841 baut die Karlsruher Maschinenfabrik „Keßler und Martiensen" nach englischem Vorbild die erste badische Lokomotive, die 1842 unter dem Namen „Badenia" in Dienst gestellt werden. 1843 wird die Strecke Heidelberg — Karlsruhe, 1844 Karlsruhe — Offenburg und 1845 Offenburg — Freiburg eröffnet. Im Jahre 1855 wird schließlich Basel und 1863 Konstanz erreicht.
 

1845, Der erste Eisenbahnzug der „Großherzoglichen Eisenbahn" hält an der Station Langen-Denzlingen.
Am 31. Juli 1845 hält dann der erste Zug in Denzlingen. Mit dem Bau der Eisenbahn erhält der Ort eine eigene Bahnstation - optimale Bedingungen, die für seine weitere Entwicklung von großer Bedeutung sind. Der erste Bahnhof befand sich damals weiter südlich vom heutigen Bahnhof. 1864 wird, gleichzeitig mit dem Bau des zweiten Gleises, ein neues größeres Bahnhofgebäude errichtet, das heute noch genutzt wird.

Ein Antrag der Gemeinden Denzlingen, Vörstetten, Heuweiler, Föhrental, Unter- und Oberglottertal und Waldkirch im Jahr 1848 zur Errichtung eines Güterschuppens bei der Station Denzlingen bleibt unbeantwortet, weitere Anfragen und Gesuche werden 1854 von der Großherzogleiche Eisenbahngesellschaft abschlägig beschieden; Auch Bürgerversammlungen 1858 in Vörstetten und in Denzlingen sprechen sich gegen eine finanzielle Beteiligung am Güterschuppen aus. Erst 1862 / 1863 erwirbt die Großherzogleiche Eisenbahngesellschaft von der Gemeinde Denzlingen das für den Bau der neuen Bahnstation erforderliche Gelände und schafft damit die Vorrausetzungen für den Bau einer Güterhalle.

   

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1845, Gründung eines Männergesangvereins
Ein Männergesangverein wird gegründet. Denzlingen hat 1.630 Einwohner


1846 (12.10.)
Ausbesserungsarbeiten im Innern des Kirchturms der Georgskirche [EPfAD. Baufondsrechnung 1846]

 

1846, Fertigstellung der Elzregulierung
Vor der Regulierung war die Elz ein unberechenbares, je nach Wasserverhältnissen wild mäanderndes Gewässer; im Oberlauf ein starkes Gefälle; von Waldkirch ab flußabwärts ein natürliches Überschwemmungsgebiet. Dort kam es immer wieder zu Überschwemmungen, die oft zu großen Schäden führten. Bedeutende Hochwasser gab es in den Jahren 1801, 1811, 1816, 1819, 1824, 1828, 1830, 1831, 1832, 1833, 1834 und 1836. Viele Klagen, Bittschriften und Petitionen der betroffenen Gemeinden (auch Denzlingen) an den Markgrafen, später an den Großherzog und an die Ständeversammlung in Karlsruhe wurden eingereicht, bis das Projekt der Regulierung endlich in Angriff genommen wurde.

 

1831 wird mit den konkreten Planungen begonnen.. Am 28. August 1835 wird das Kanalbau-Gesetz für den Bau des Leopoldkanals von Riegel zum Rhein vom Landtag mit einem Zuschuss von 300.000 Gulden aus der Staatskasse beschlossen. In das heutige Flussbett wurde die Elz in der Mitte des 19. Jahrhundert und ein letztes Mal in den 1970-ger Jahren verlegt. Die Bauweise erfolgte mit der erprobten Methode, dass längs des künftigen Flußbettes Faschinen in den Boden eingebaut und dann mittels Leitgraben die Erosionskräfte des Wassers genutzt wurden.

Die Regulierung erweißt sich für die nun von Überschwemmungen geschützten Orte Wasser, Emmendingen, Teningen, Köndringen, Riegel und Kenzingen als sehr segensreich. Auch die Wiesen zwischen dem Mauracherberg und der Elz, die zuvor oftmals von den Überschwemmungen betroffen waren, sind nun besser geschützt und können landwirtschaftliche genutzt werden. Hochwasserkatastrophen, wie die Dammbrüche im Dezember 1882 am Kollmarsreuter Wehr und die Überschwemmung im März 1896, bleiben fortan Ausnahmen.

 

1846-1855, Not, Hunger, Elend
Große Hungersnot und Arbeitslosigkeit markieren die Jahre 1846 – 1855 als Folge schlechter Witterungseinflüsse und großer Ernteausfälle (wie bei der verheerenden Not in den Jahren 1816 - 1817), die zu einer extremen Verknappung und damit Teuerung der Lebensmittel führten. Die im Vergleich zu 1813 (1.028 Einwohner) bis zum Jahr 1845 (1.630 Einwohner) stark angestiegene Einwohnerzahl (eine Zunahme von 59 %) verschärfte die Krise zusätzlich, da im Wesentlichen nur die gleiche Ackerfläche verfügbar war und eine Verknappung der Lebensmittel zur Folge hatte. Dies führt beim ärmeren Teil der Einwohnerschaft zu Hunger und Elend. Die Zahl derer, die sich nicht mehr selbstständig ernähren konnten, wird auf bis zu 300 Personen angegeben.

 

Sie sind auf Almosen und die Unterstützung durch die Gemeinde angewiesen. Diese errichtet noch 1846 eine Suppenanstalt, die den Hungernden täglich eine Suppe reicht. Durch diese zusätzlichen Kosten verschuldet sich die Gemeinde zunehmend und muss nach einem Ausweg aus der Krise suchen. Diesen Ausweg glaubt man in der Verschickung der notleidenden Armen nach Amerika gefunden zu haben. Bürgermeister Strübin und Pfarrer Rupp werden vom Oberamt Emmendingen aufgefordert, eine Liste mit Namen der notorisch armen Suppenempfänger zu erstellen, die für eine Auswanderung in Frage kommen. Dieses traurige Dokument mit 274 Namen ist erhalten.
 

1848 - 1849, Badische Revolution
In diesem Jahr greifen die Republikaner nach der Macht, und der Großherzog muss fliehen. Das vom ihm herbeigerufene preußische Militär (unter dem Kommando des "Kartätschenprinzen") beendet jedoch rasch diesen Traum. In der Folge wandern zahlreiche Denzlinger nach Amerika aus, auch um der Strafverfolgung zu entgehen.
 

Als Ende Februar 1848 in Frankreich der Bürgerkönig Louis-Philippe I. gestürzt und die zweite Republik ausgerufen wird, erwacht auch rechts des Rheins eine Freiheitsbewegung. In Baden sind es vor allem die Rechtsanwälte Friedrich Hecker und Gustav Struve, die unbedingte Pressefreiheit, Schwurgerichte nach dem Vorbilde Englands, Volksbewaffnung und die sofortige Herstellung eines "teutschen" Parlaments fordern. Das Lager der badischen Revolutionäre ist in Anhänger einer konstitutionellen Monarchie und Anhänger einer Republik gespalten.


Im Mai 1849 ("Maiaufstand") führt die Ablehnung der von der Frankfurter Nationalversammlung erarbeiteten deutschen Verfassung durch die meisten Landesregierungen zu einem letztem Aufbäumen der revolutionären Bestrebungen besonders in Baden. Am 11. Mai 1849 kommt es in Freiburg zu einer Verbrüderung der Republikaner mit dem 2. Badischen Infanterieregiment. Am 12. Mai forderte das Volk in Offenburg die Anerkennung der Reichsverfassung durch die badische Regierung. Die Bundesfestung Rastatt erhebt sich.

 

Zu dieser Zeit  und während der mehrwöchigen Herrschaft der provisorischen revolutionären Landesausschüsse mobilisiert die Denzlingen erneut ein Aufgebot der Bürgerwehr, das auf Kosten der Gemeinde auch eine militärisch Ausbildung erhält.

 

Schließlich ruft der geflüchtete Großherzog Leopold von Baden preußische Truppen zu Hilfe, die das badische Revolutionsheer bei Mannheim und Waghäusel vernichtend schlagen. Nachdem auch die Schlacht bei Gernsbach verloren ist, löst sich das Revolutionsheer auf. Die Bundesfestung Rastatt, in der sich der Rest der Revolutionsarmee verschanzt, wird am 23. Juli 1849 aufgegeben, und der Großherzog kann am 19. August in einem Galawagen wieder feierlich in Karlsruhe einziehen.
 

Nach der endgültiger Niederschlagung der Erhebung in Baden durch preußische Truppen (unter dem Kommando des "Kartätschenprinzen") nehmen Mitte Juli die Standgerichte der badisch-preußischen Militärtribunale ihre blutige Arbeit auf. Überall im Großherzogtum werden die Revolutionäre und ihre Sympathisanten verhaftet. Es folgen Standgerichte, Verurteilungen und Hinrichtungen. Viele entkommen der Strafverfolgung nur durch Flucht ins Ausland. Gegen 43 Denzlinger Bürger wird wegen ihrer Teilnahme an „hochverräterischen Unternehmungen" ermittelt, soweit sie sich nicht bereits durch Flucht den Ermittlungen entzogen haben. Die Niederwerfung des Badischen Aufstandes bedeutete für lange Zeit das Ende der revolutionär-bürgerlichen Freiheits- und Einheitsbestrebungen in Deutschland und den Beginn der "preußischen" Dominanz in Deutschland.

 

Denzlingen kommt das Abenteuer Revolution finanziell teuer zu stehen. Die Kosten für die Bekämpfung der Revolution werden durch entsprechende Gesetze den Kommunen aufgebürdet. Im Zuge der „Säuberungsmaßnahmen" nach der gescheiterten Revolution wird im August 1849 durch Erlass des Großherzoglichen Landeskommissars für den Oberrheinkreis auch der komplette Denzlinger Gemeinderat abgesetzt.

Das Heckerlied erinnert an den Geist der revolutionären Badener.
Dennoch - auch im Zusammenhang mit der Badischen Revolution - werden die grund- und leibherrschaftlichen Vorrechte der Feudalherren beseitigt.

   

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1846 - 1849, Der Heidachwald wird Bürgerfeld
Zur Gemeinde gehörte auf der nordöstlichen Gemarkung, westlich des Lossele, das Waldstück „Heidachwald“. Es wurde nicht nur als Holzschlaggebiet, sondern auch als Schweineweide für die Bürger des Oberdorfs genutzt und hatte im Mattstein eine Entsprechung für die Unterdörfler. Es war üblich, dass der Schweinehirt oder die -hirtin die Tiere im Ort sammelte, auf die Weide führte und abends wieder in den Ort zurückbrachte.

 

Als die Gemeinde zwischen 1810 und 1820 hoch verschuldet war und die Gemeindekasse dringend Geld benötigte, war offenbar schon allzu viel Holz geschlagen worden. Das Waldstück hatte sich seitdem nicht mehr erholt und war voraussichtlich auf lange Zeitfür für die Bürger ohne Ertrag. So kam schon im Jahre 1833 der Gedanke auf, den Heidachwald ganz zu roden, zu kultivieren und als landwitschaftlich Nutzfläche losweise unter die Bürger zu vertheilen. Am 20. November 1846 beschloss die Bürgerschaft den Heidachwald auszustocken, die Fläche zu Acker und Matten zu cultivieren, die cultivierten Güterstücke zu verpachten und den Pachtzins unter die Bürgerschaft zu vertheilen. Am 11. November 1849 wurde schliesslich einstimmig beschlossen, den gesamten Heidachwald zu roden und urbar zu machen. Daraufhin wurde im folgenden Jahr der restliche Heidachwald zu Ackerfeld kultiviert.

1850, Denzlingen hat 1396 Einwohner
Im Jahr 1850 hat Denzlingen 1396 Einwohner, davon sind 245 Bürger der Gemeinde, und 56 Bürgerwitwen – das sind 301 Bürgerrechte im Ort; was einem Anteil von 21,6 % der Einwohner entspricht. Nur diese Bürger und Bürgerinnen erhalten ein Stück vom Heidachfeld, die restlichen Einwohner sind zwar badische Staatsbürger, gelten aber nicht als Ortsbürger.

 

1861 (02.04.)
Das Äußere der Georgskirche wird renoviert und in neugotischem Stil „verschönert.
[GA-DE. 1 A-390. Kirchen, Bau u. -Unterhaltung 1848-1942]

1862 (06.10.)

Einer der Wasserspeier am Kirchturm der Georgskirche ist abgebrochen. Statt eines neien Wasserspeiers am Kirchthurm soll durch Verstopfung die Öffnung so lange geschlossen werden, bis der ganze Thurm repariert wird. [EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]

1864, Gründung des Schwarzwaldvereins und des Musikvereins
Die touristische Erschließung des Kandels für Wanderer und Wandervereine beginnt im Jahre 1864 in Freiburg mit der Gründung des „Badischen Vereins von Industriellen und Gastwirten zum Zweck, den Schwarzwald und seine angrenzenden Gegenden besser bekannt zu machen", der heute als „Schwarzwaldverein" bekannt ist.

 

Im gleichen Jahr beginnt die Firma Gütermann in Gutach mit 40 Arbeitern die Verarbeitung von Seidenraupen-Kokons. Vor dem ersten Weltkrieg ist die Zahl der Beschäftigten bereits auf 3500 Arbeitnehmer angestiegen.

 

In diesem Jahr wird das Denzlinger Bahnhofsgebäude erbaut, wie eine Sandsteinplatte in Höhe des 1. Stocks verkündet.

1867, Erste Zigarren gefertigt
In Denzlingen werden die ersten Zigarren angefertigt. Zigarren aus Denzlingen werden in der ganzen Welt geraucht. Der Beginn dieser Industrialisierung gibt vielen Denzlingern und Menschen aus den näheren Schwarzwaldtälern Arbeit, insbesondere Frauen. Typisch für Denzlingen ist in dieser Zeit das Arbeiten in der Fabrik und das gleichzeitige Führen eines landwirtschaftlichen Nebenerwerbbetriebs. Es entwickeln sich neue Strukturen und Einrichtungen wie der Bauverein Denzlingen mit seinen Häusern in der Rosenstraße, eine eigene Krankenkasse und andere soziale Einrichtungen.
 

1869 - 1870, Neuer Rebberg im Einbollen
Mit dem Ziel, zusätzliche Einnahmequellen für die Denzlinger Bürger zu erschließen, entsteht während eines Besuchs des Bezirksamt am 3. August 1868 in Denzlingen die Idee, am Südhang des Einbollenwaldes einen Rebberg anzulegen, welche in einem Gutachten der Bezirksforstei vom 26. September an das Bezirksamt in Emmendingen als „vorzüglich“ bewertet wird. Die Rodungsarbeiten am Einbollen im Winter 1869/70 machen offenkundig, dass es felsige Geländeteile gibt, die für einen Rebanbau nicht geeignet sind. Daraufhin erhält die Gemeinde im Februar 1870 die Genehmigung, ersatzweise weitere 1 bis 2 Morgen Wald auszustocken. Zur Versteigerung von 328 Baumstämme, 630 Klafter Scheitholz und 16.000 Wellen im Einbollen am 7. März 1870 strömen aus dem ganzen Breisgau die Menschen herbei. Am Ende kann der Gemeinderechner 5.837 Gulden, 10 Kreuzer in die Gemeindekasse vereinnahmen – ein Betrag, der jedoch nicht ausreicht, um sämtliche Kosten zu decken. Für den Wegebau muß de Gemeinde zusätzlich für 1.200 Gulden Kredite aufnehmen.

 

1870, Bürgerausschuss beschliesst Nutzung der Rebberg Parzellen auf 40 Jahre
Im Frühjahr 1870 beginnen die Geometer mit ihrer Arbeit, die gerodete Fläche in Parzellen zu je 1/8 Morgen auszumessen und zu kennzeichnen. Am 20. April beschließt der Bürgerausschuss, dass die Parzellen auf 40 Jahre - bis zum 31.12.1910 - den Bürgern zur Nutzung übergeben werden. Innerhalb der nächsten drei Jahre, also bis 1873, sollen sie mit Reben bepflanzt sein; ansonsten werden sie ersatzlos an die Gemeinde zurück fallen. Ferner ist es den Bürgern untersagt, ihre Parzellen an Auswärtige zu verpachten. Das beschlossene Verteilungsverfahren sieht vor, dass die Parzellen an Ort und Stelle durch Ziehung von Losen verteilt werden sollen.

 

Im Beisein der ganzen Gemeinde werden am 29. April die Parzellen ausgelost  Die Bürger müssen der Reihe nach einzeln vor einen großen Korb mit den Losen treten, und einer der Knaben zieht dann jeweils ein Los mit der Parzellennummer. Noch im selben Jahr 1870 beschließt der Gemeinderat, dass in den neuen Rebanlagen im Einbollen nur edle Sorten angepflanzt werden sollten und dass die Gemeindekasse den Ankauf der Rebsetzlinge übernehmen werde.

 

1870

In der Gemeinderechnung findet sich eine interessante Ausführung zum Turm der Georgskirche. Wieder einmal ist die Turmpyramide in Gefahr total verändert zu werden.
[GA-DE. 1B-405/1, Gemeinderechnung 1870]

   

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1870 - 1871, Deutsch-französcher Krieg
Frankreich erklärt am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg. Schon während der Kämpfe und erst recht nach dem errungenen Sieg herrschen große Begeisterung und ein fast grenzenloser Patriotismus. Nach dem Sieg werden mehrere Friedensfeiern und Dankgottesdienste im Ort abgehalten. Den beiden gefallenen Denzlingern, Leopold Giese und Johann Friedrich Schwarz, beide Musketiere im 5. BadischenInfanterie-Regiment 113, widmet man eine Gedenktafel in der Georgskirche, die heute links vom Eingang angebracht ist.

42 Jahre später, im Jahr 1913, wird der ursprünglich zur Erinnerung an die Erstellung der kommunalen Wasserleitung konzipierte Brunnen auf dem Kirchplatz zum Kriegerdenkmal an den „ruhmreichen Feldzug 1870-1871 gegen Frankreich" umfunktioniert. An drei Seiten werden Tafeln mit den Namen der Kriegsteilnehmer angebracht. Beim Abbau des Denkmals in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, werden die Tafeln aufbewahrt und später an der Friedhofshalle angebracht. Sie erwecken nun fälschlicherweise den Eindruck, es handle sich um die Namen von Gefallenen des Krieges 1870/71.

1871, Reichsgründung und Gesetz zur Einführung einer einheitlichen Währung
Mit der Reichsgründung 1871 wird vieles vereinheitlicht und gesetzlich für das ganze Reich geregelt. Von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Deutschen Reiches erweist sich die Vereinheitlichung der zuvor unübersehbaren Vielfalt an Geldwerten und Maßeinheiten zu dezimalen Münz-, Maß- und Gewichtssystemen. Im Dezember 1871 verabschiedet der Reichstag ein Gesetz zur Einführung einer einheitlichen Währung.

 

Mit der Einführung einer einheitlichen Währung wandern viele der besitzlosen Menschen, die bisher ausschließlich in der Landwirtschaft als Knechte und Mägde arbeiteten und überwiegend mit Naturalien von den Hofbauern und Gutsbesitzern entlohnt werden, nun in die neu entstandenen Fabriken ab und werden nun mit Geld entlohnt.

Im Großherzogtum Baden wurde mit dem Beginn des Jahres 1876 der Gulden zu 60 Kreuzern durch die Mark zu 100 Pfennigen ersetzt. Die Umrechnung erfolgte zum Kurs: 1 Gulden = 60 Kreuzer = 1,71 Mark. Finanziert wurde die Währungsumstellung mit der französischen Kriegsentschädigung: Deutschland erhielt in der Folge des gewonnen Krieges 1870/71 von Frankreich die damals gewaltige Summe von fünf Milliarden Franc. Nach dem verlorenen Weltkrieg 1914/18 floss das Geld aber zu einem großen Teil in Form der Reparationszahlungen wieder nach Frankreich zurück.

1872, Gesetz zur Vereinheitlichung der Maße und Gewichte
Am 1.1.1872 wird das Gesetz zur Vereinheitlichung der Maße und Gewichte verabschiedet.

 

1872, Bau des Rebhäuschen ("Rebhisli")
Im Jahr 1872 wurde von Maurermeister Georg Gaus das heute noch weithin sichtbare Rebhäuschen erstellt. Die Rebfläche der Gemeinde betrug nun insgesamt 18 ha, 41 ar, 3 gm.

 

1873, Anlegen des Rebbergs beendet
In den Jahren 1870 bis 1873 dürfte im Einbollen an den steilen Hängen in harter Arbeit viel Schweiß geflossen sein, denn innerhalb dieser Zeit mussten die Baumwurzeln aus dem Boden herausgeholt, die Parzellen umgegraben und die Rebsetzlinge gepflanzt werden. Aber alles ging offenbar reibungslos vonstatten, denn es ist nichts von Schwierigkeiten überliefert.

 

Im gleichen Jahr wird vom Großherzoglichen Katasterbüro ein Übersichtsplan der Gemarkung Denzlingen gezeichnet

   

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1875 - 1901, Fertigstellung der Elztalbahn
Die Eisenbahnstrecke von Denzlingen nach Waldkirch wird in den Jahren 1872 bis 1874 gebaut und am 1.Januar 1875 offiziell eröffnet. Sie wird zuerst als Privatbahn der Stadt Waldkirch angelegt und betrieben.

Hohe Betriebskosten trüben die Freude an der neuen Privatbahn in Waldkirch bald erheblich, denn sie entwickelt sich zunehmend zum Sorgenkind der Stadt, und wird bald nur noch –„Schulden-Hengst" genannt. Zu den normalen Betriebskosten kommen zu oft außergewöhnliche Kosten dazu, die durch Unwetter und Überschwemmungen verursacht werden: z.B. die Wiederherstellung der Bahnbrücke zwischen Denzlingen und Buchholz, die von Elz im Februar 1877 unterspült wird, so dass sie einzustürzen droht und der Bahnverkehr für längere Zeit unterbrochen ist.

Bis zum Jahr 1887 bleibt diese Eisenbahnstrecke Eigentum der Stadt Waldkirch. Am 4. Oktober 1887 stimmt der Bürgerausschuss der Stadt Waldkirch dem Verkauf zu, und am 23. Juni 1887 wird die Bahnlinie Denzlingen - Waldkirch von den Großherzoglichen Badischen Staatsbahn zum Preis von 700.000 Mark erworben..
 

1876 Fertigstellung des Schulhauses (die heutige Otto-Raupp-Schule)


1880, Hohe Gäste im Suggenbad
Am 30. September des Jahres 1880, weilt Kaiser Wilhelm 1. zusammen mit Kaiserin Augusta, dem Großherzog Friedrich, der Großherzogin Luise und deren Kindern, Prinz Ludwig und Prinzessin Viktoria, im nahen Suggental, um dort im Suggenbad den Geburtstag der Kaiserin zu feiern.

Das Suggenbad war zu jener Zeit ein viel besuchtes Haus. Die hohen Herrschaften reisten mit der Eisenbahn über Denzlingen an und die Denzlinger werden sie mit Hochrufen begrüßt haben. Großherzog Friedrich von Baden muss das Suggenbad in guter Erinnerung behalten haben, denn am Sonntag, dem 23. Juni 1898, kam er erneut zu Besuch dorthin. Wieder reiste er über Denzlingen an, und Bürgermeister und Gemeinderat beschlossen, ihn gemeinsam zu begrüßen
 

1883, Lutherlinden auf dem Kirchhof gepflanzt
Zum 400. Geburtstag von Martin Luther (10-11.1483) werden am Reformationstag den 31. Oktober 1883, auf dem Platz vor der Georgskirche zwei Linden gepflanzt. In den Gemeindeakten ist festgehalten, dass sie von Matthias Reitzel und Sigmund Nübling geliefert und vom Kronenwirt Reitzel an Ort und Stelle transportiert worden sind. [GA-DE. 1B-233, Gemeinderatsprotokolle 1866-1887]

1883 – 1891, Sozialgesetze
Gleichzeitig mit der Durchsetzung der Geldwirtschaft entsteht eine neue Bevölkerungsschicht: die Arbeiterschaft. Ihr Kampf um Rechte und Schutz vor Ausbeutung wurde mit den Sozialgesetzen (1883 Krankenversicherung, 1884 Unfallversicherung, 1889 Invaliditätsversicherung, 1891 gesetzliche Rentenversicherung) und Regelungen zum Arbeitsschutz belohnt.

1884, Erstes Rasthaus auf dem Kandel
Das erste Rasthaus wird 1884 auf dem Kandel eröffnet.

 

1885, Denzlingen hat insgesamt 1509 Einwohner,
davon sind 159 katholischer und 1350 evangelischer Konfession

 

1886, Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen
Mit Beginn des Jahres1886 hat Denzlingen eine Straßenbeleuchtung, die mit Petroleum betrieben wird. Die bis dahin übliche Nachtwache wird überflüssig und aufgehoben. Die Lichter wurden um Mitternacht gelöscht; nur die Lampen an der Krone und am Rebstock brennen bis 2 Uhr.

Das an den Storchenturm angebaute Wachhaus wird in diesem Jahr in eine Wohnung umgebaut und an einen Tagelöhner mit Frau und sechs Kindern vermietet.

1889, Erste katholische Kirche
Aus einem Bauernhof wird die erste katholische Kirche seit der Reformation fertig gestellt, in der heute der St. Josef-Kindergarten untergebracht ist.

1889, Bau der Thomashütte
Die „Thomashütte" (genannt nach dem Geheimrat Dr. Ludwig Thomas, Universitätsprofessor in Freiburg und Vizepräsident des Schwarzwaldvereins), wird 1889 gebaut.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wird der „Präsident-Thoma-Weg" (genannt nach Dr. Emil Thoma,1905-1920 Präsident des Schwarzwaldvereins und 1913-1922 Oberbürgermeister von Freiburg) von Denzlingen zum Kandel angelegt.

Die Wanderer konnten nun mit dem Zug anreisen und auf direktem Wanderpfad vom Einbollen zum Kandelgipfel aufsteigen.

 

1891 (23.08.)

Die letzte Visitation hat den Zustand des Kirchturmes der Georgskirche beanstandet. [EPfAD. Protokolle des Kirchengemeinderats 1847-1911]

1893 (09.04.)

Das Kirchendach wurde neu gedeckt und die Außenwände des Kirchengebäudes erhielten einen neuen Anstrich. In diesem Zusammenhang schrieb das Großh. Bezirks-Bauinspektion in Emmendingen. der Gemeinde Denzlingen:"Anläßlich ausgeführter Bauarbeiten an dem
Gebäude (Dachausbesserung) hat sich am Fuße der beiden Langhausseiten eine Menge Schutt und Unrath angesammelt. Wir ersuchen daher die zum Bauobjekt frohnpflichtige Gemeinde Denzlingen, für die baldmöglichste Entfernung des Schuttes und gründliche Reinigung des Kirchplatzes gefl. Sorge tragen zu wollen."

[GA-DE. 1A-390, Bau und Unterhaltung der Kirche, 1848-1942]

 

1893
Nach jahrelangem Provisorium zieht die Verwaltung in das 1876 erbaute Schulgebäude ein.

 

1895 (10.11.)
Georgskirche: Der Orgelbaukommissar Barner hat die Reparatur der Orgel als dringend notwendig bezeichnet.
[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]

1896 (03.09.)

Georgskirche: Der Evang. Oberkirchenrat in Karlsruhe erteilt die Baugenehmigung zur Turminstandsetzung und genehmigt die Verwendung von Baufonds-Kapitalien in Höhe von 3.700 M zur Bezahlung der Neubaurechnungen. Es beginnen umfangreiche Renovierungs- und Umbauarbeiten an Turm und Kirche, die bis Ende 1898 andauern. [EPfAD. Baufondsrechnung 1897/98]

1896 (Dez.)

Georgskirche: Der Gemeinderat führt für die Anschaffung zweier neuer „kleiner Glocken“ eine Haussammlung in Denzlingen durch. Aus 7 Listen mit den Namen der Spender können wir das Ergebnis von 336,20 Mark ersehen.
[GA-DE. 1A-390, Bau und Unterhaltung der Kirche, 1848-1942]


1897 (17.03.)

Georgskirche: Der Kirchengemeinderat beschließt die Vergabe der gesamten Arbeiten am Kirchturm an den Bauunternehmer Gaus.
[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]


1897 (14.09.)
Georgskirche: Unter dem Pfarrer Stern wird (vor allem) der Turm der evangelischen Kirche renoviert, wie die Jahreszahl am Türsturz des Nordeinganges zum Chor anzeigt. Erstellung eines eisernen Gebälkes unter dem Glockenstuhl. Diese Maßnahme war die Ursache für die späteren Schwankungen von Turm und Pyramidenaufsatz.
[EPfAD. Baufondsrechnung 1897/98]

1899 (04.12.)

Georgskirche: Es wird festgestellt, dass der Turm beim Läuten schwankt. Dies wurde von der Kirchbau-Inspektion begutachtet. Man beschließt abzuwarten, bis ein schriftlicher Bescheid vorliegt.
[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]


1899 (17.12.)

Georgskirche: Die Arbeiten am Kirchturm werden abgeschlossen. Besichtigung und Abnahme durch Direktor
Kirchner. Danach werden die Gelder vom Ministerium ausbezahlt. Gesamtkosten liegen bei 4053,46 Mark.

[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]

   


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Update 27-04-2015 14:15 RZ