HUGV  
Verein
(Startseite)
  Termine und Aktuelles   Heimat- und Brauchtumpflege   Geschichts- und Ahnenforschung   Archiv  
  Heimethues
  Storchenturm
  - Störche
  Otto-Raupp-Stube
  Dienstagsgruppe
  Bulldog-Treffen
  Denzlinger Tracht
  Theodor Zeller
   
   
   
   
   
 
  Counter
 
pro Bürger im Unterdorf pro Bürger im Unterdorf  

Storchenturm

Quellen:

>> WEB Seite der Gemeinde Denzlingen
>> Wikipedia zu Denzlingen, Textabschnitt "Bauwerke"
>> Aktualisierter Flyer des Vereins von 2014
>> Prospekt des "Denzlinger Heimethues" vom April 2012

Die ehemalige Kirche St. Michael im alten Dorfzentrum im Unterdorf – heute Storchenturm - wurde im Jahr 1275 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt. Ab dem 30 –jährigen Krieg war St. Michael kein offizieller Kirchenraum mehr. Im Jahr 1813 kaufte die Gemeinde das Gebäude und nutzte es als Feuerwehrabstellraum. Im Jahr 1908 war die erste Erwähnung als „Storchenturm“ - siehe auch >> Geschichte
 

download  
Storchenturm, ehemalige Kirche St. Michael Bild in Originalgröße

Heute enthält der Storchenturm Bilder und Freskenmalereien des Denzlinger Künstlers Theodor Zeller, der im Jahr 1979 mit der Ausmalung der ehemaligen Sakristei und des Inneraums begonnen hat.

Günter Böhler war der Mäzen, der Theodor Zeller in seinem Wirken für den Storchenturm maßgeblich unterstützte.
Siehe auch >> Zeller's Berliner Kreuzweg

Seit 1993 brüten im Nest auf dem Storchenturm wieder die Störche.
S
iehe auch >> Störche
 

Weitere Informationen:

>> Theodor Zeller
>> WEB Seite der Gemeinde Denzlingen

>> Wikipedia zu Denzlingen, Textabschnitt "Bauwerke"
 

Führungen

Gebäude
Prof. Dr. D. Geuenich,
D. Ohmberger (Auskunft: 07666 - 2612)

Bilder von Theodor Zeller
D. Böhler (Auskunft: 07666 - 88 48 58 - 20)

 

  Kontakt

1. Vorsitzender
Joachim Müller-Bremberger,
Tel 07666 - 880309

Führungen im Heimethues
Manfred Wössner,
Tel. 07666 - 900457

Führungen im Storchenturm, Zeller Bilder
Daniel Böhler,
Tel. 07666 - 3637

Führungen im Storchenturm Gebäude und im Ort
Dieter Ohmberger,
Tel. 07666 - 2612

E-Mail

info@hugv-denzlingen.de

Karten und Ortspläne

>> Aktueller Ortsplan (pdf)
>> Denzlingen 1873

>> Dorfplan 1752

 

 
 
>> zum Seitenanfang
 
     
  Geschichte
 
1275   St. Michael wird erstmals als Pfarrkirche erwähnt
1457   St. Michael wird nur noch als Kapelle genannt
1608   Das Gebäude wird als Fruchtspeicher genutzt
1713   Das Gebäude wird als Magazin der französischen Truppen genutzt
1756   Ruine; die Baumaterialien werden zum Bau der oberen Kirche St. Georg verwendet und an Bürger versteigert
1813   Die Gemeinde Denzlingen erwirbt die Ruine; danach Umbau zu einem Feuerwehrgerätehaus
1908   St. Michael wird erstmals als "Storchenturm" erwähnt
1979   Ausmalung der ehemaligen Sakristei durch Theodor Zeller
2002   Heimatverein bringt die Sonnenuhr an der Südseite an
     
 
>> zum Seitenanfang
 
     
  Bilder von Theordor Zeller im Storchenturm

Berliner Kreuzweg von Theodor Zeller (ehemals St. Laurentiuskirche in Berlin-Moabit) mit persönlichen Interpretationen des Künstlers

Der Berliner Kreuzweg entstand 1978 mit 15 Bildern und wurden durch die Gemeinde Denzlingen im Frühjahr 2007 erworben. Im Storchenturm, den Zeller in den siebziger Jahren künstlerisch ausgestaltet hat, hängen nun die 15 Kreuzwegstationen in dichter Reihenfolge und bilden einen weiteren Höhepunkt in der Sammlung der Kunstwerke Theodor Zeller´s.

Beschreibung der einzelnen Tafeln

Zitat von Pfarrer Hundeck, Laurentiuskirche Berlin: „Die Interpretation des Kreuzweges durch den Künstler selbst, sie ist die Niederschrift eines leicht gekürzten Tonbandprotokolls, bei dem bewusst der persönliche Redestil des Malers unangetastet gelassen wurde; daraus erklären sich die vielen Unebenheiten im Satzbau, sie werden aufgehoben durch die ursprüngliche Kraft seiner Aussage.“

  I. Verurteilung

Man muss doch bedenken, dass ein Mensch, der bestimmt nicht unfähige Pilatus, der Statthalter vom ganzen Judenland war, dass der über diesen Jesus zu Gericht sitzen sollte. Und Ihr wisst, dass er wusste, dass er empfand – als Oberchef -, dass dieser Jesus, den sie da halbtot daherbrachten, dass der völlig unschuldig war. Aber er hat ihn aus Feigheit zum Tode verurteilt und hat nach römischen Brauch, der ja bis fast in die Neue Zeit hinein beibehalten wurde, der Brauch, über einen Menschen, wie man heute noch sagt, den Stab zu brechen. Das nimmt aber natürlich, von menschlicher Seite gesehen, nicht etwa von christlicher, sondern von allgemein menschlicher Seite aus gesehen, ungeheure Dimensionen an. Wenn man bedenkt, dass dieser Jesus, der Sohn eines jüdischen Mädchens, Gott wäre, also der Mann, dessen Personalunion als Judenmensch und Chef aller Millionen nicht von Sternen, sondern von Milchstraßen – wir können ja auf dem Berg Pallumbra dreitausend Milchstraßen zählen, von denen ein jedes wer weiß wie viele Millionen Sterne darunter und Abertausende von Sonnen hat - , und über so einen Mann bricht ein gewöhnlicher Mann den Stab.

Ich habe es vermieden, wie Sie sehen, den Pharisäer zu spielen. Ich habe im Pilatus mich selbst dargestellt, das entspricht der Wahrheit, denn ich – Theodor Zeller – habe mindestens so wie dieser Pilatus, weit mehr, denn der kannte ihn ja nicht. Aber ich habe 78 Jahre lang Gelegenheit gehabt, diesen Jesus kennen zu lernen, und ich habe ihn auch verurteilt durch meine Taten. Ich bin nicht immer den Weg Jesu Christi gegangen und weithin, das gestehe ich vor dem ganzen Universum, durch eigene Schuld, durch Schurkerei ....
 

  II. Aufnahme des Kreuzes

Er nimmt das Kreuz auf sich, wer tut das gern? Ich möchte am liebsten so ein bisschen Rainer Maria Rilke und ein bisschen Hölderlin und ein bisschen halt schöne Poesie – es gibt auch eine schöne Blütenpoesie des Lebens-, aber wer mir nachfolgen will, nehme täglich sein Kreuz auf sich, das heißt, wenn der – (...) – am frühen Morgen aufsteht und keine Freude hat, nach Freiburg zu gehen, na dann geht er halt, oder wenn er Händel mit seinem Dorle hat wegen irgend einem kleinen oder größeren Unsinn, auch das zu schlucken, oder einen untreuen Mann noch lieb zu haben, zu verzeihen, oder was es so alles gibt, oder zu ertragen, ein Leben lang wie ich, dass ich nie wusste, ob ich am anderen Tage noch zehn Pfennig in der Tasche habe. Kein Geld zu haben oder krank zu sein oder Krebs zu haben. Ich habe ja Lungenkrebs gehabt im Jahre 1953 im Endstadium, das zu ertragen, das ist nicht einfach.

 

III. Erster Fall

Ja, und dann kann es schon passieren, dass man fällt. Dass man der Frau untreu wird, dass man sich selbst untreu wird, dass man gegen seine Überzeugung handelt und halt hinfällt. Und da liegt man, und wenn man aus Schwäche gefallen ist, dann drückt das schwere Kreuz noch schwerer. Ich habe – und das muss ich bekennen – alles, was ich malte, mir von Herzen heruntergeschrieben. Ich habe es erlebt, der liebe Gott weiß es.
 

 

IV. Begegnung

(...) Die Begegnung zwischen einer Mutter und einem zum Tode verurteilten Sohn, der in diesem Fall der Schöpfer des Universums ist. Die Urheimat der Liebe und Liebenden. Die Urheimat der Liebe, von der Dante in seinen Endworten vom Paradieso aussagt: „Die Liebe ist es, die da die Sonne rollte und die anderen Sterne“, also nicht die Chemie, das Ion, nicht was wir heute als Urkraft im Zeichen der Atomphysik kennen, auch nicht die Liebe als „es“, sondern die Liebe, die doch allein den Namen verdienst, Liebe genannt zu werden: die Liebe vom Du zum Du – und das, glaube ich, kommt da zum Durchbruch.

Man stelle sich vor, Sie (...) würden Ihrem Sohn begegnen. Er wäre zum Tode verurteilt und Sie wären, Sie sind nur eine einfache Frau. Er ist ein Mann des Volkes wie wir. Das müsste doch – aber wenn jemand wie dieser Christus Gott wäre, so wie ich glaube, dass er es wirklich ist, der Schöpfer des Universums, dessen letzter Hintergrund eben Liebe ist. Dann finde ich, war das ja für mich eine Unmöglichkeit, es zu gestalten. Aber ich als armer Schöpfer dieses Bildes habe den Eindruck, dass ein kleiner Fetzen von der Urheimat dieser Liebe, von der ich sprach, hängen geblieben ist.
 

 

V. Simon von Cyrene

Und nun Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. Der hat geflucht, der hat geschimpft. (...) der wurde von den Römern genötigt, weil sie sahen, der schafft das nicht bis Golgatha, haben sie den Kerl, der des Weg’s kam, genötigt, das Kreuz Christi zu tragen.

Der Herr Pfarrer Hundeck hat, als er dieses Werk sah, gemeint, dass der Jesus blöd ausschaue mit seinem offenen Mund, und da ich ein heftiger Mensch bin, habe ich eben etwas heftig reagiert und meinte: „Herr Pfarrer, haben Sie schon einmal eins auf die Schnurre bekommen?“ und ein römischer Legionär, wo der hin zu schlug, da haute es hin. Es war kein Pseudoleiden, und wenn einer so eine, sagen wir, rechte Gerade ins Gesicht bekommt, und er hätte die Möglichkeit, in den Spiegel zu schauen, da würde er sehen, dass da ein ganz blödes Gesicht herausschaut. Ich möchte bei der Gelegenheit sagen, dass das Leiden einen dermaßen fertig machen kann, dass man nahe am Wahnsinn ist. Nun , der Simon von Cyrene, er hat’s getan, er hat’s getragen, er hat’s geschafft. Und wenn wir das halbwegs fertig kriegen, das Kreuz des Herrn zu unserem Eigenen zu machen, ich glaube, dann hat unser Leben einen Sinn, denn sonst hat der Blödsinn, der Unsinn des Leidens vom Krebs, Hunger, Durst, Quälerei, Verrat, Spionage oder was es alles gibt an Lumperei oder das Lächeln einer wunderbaren Frau, die einem mit diesem Lächeln im gleichen Augenblick verraten kann. Das sind, wären sonst lauter Dinge, die man auch nicht mit Hilfe eines modernen Tiefenpsychologen – und da erst recht nicht – nie klären kann.
 

 

VI. Veronika

Ja, da ist die Geschichte, die wunderbare Geschichte der Veronika. Da im Hintergrund dieses nicht schöne Angesicht, ist das Gesicht meiner Tochter. Ich habe es von einem Porträt, das ich geschaffen habe, übernommen um der Wahrhaftigkeit willen, nicht meiner Tochter zuliebe. Also die Veronika, so wie überhaupt die Frauen, sind die Tapferen. Die sind alle – so gut wie alle – meist tapferer wie wir Männer, man muss sich vorstellen, welcher Mut dazu gehörte, in dem Gedränge, da sich heran, durchzudrängen und diesem zum Tode Verurteilten sich zu nähern, um ihm eine Wohltat zu tun, sein Angesicht zu trocknen, und der hat das ja, wie Ihr wisst, belohnt mit der Tatsache, dass sein Heiliges Angesicht in das reine Leinen hineingeprägt wurde. Er hat sich damit uns Menschen auch sichtbar geschenkt. Er wollte zum Ausdruck bringen, dass sein Angesicht, so wie es war, dass es unser Eigentum werden darf und kann.

 

VII. Zweiter Fall

Das ist der zweite Fall. Das ist das Tragische. Ich kenne Euch nicht, ich weiß nicht, ich kann nur von mir ausgehen und sagen: Ich meine, wenn man Jemanden lieb hat und hat ihm die Treue geschworen und da hat man die Treue gebrochen: es ist furchtbar. Dann findet man sich wieder zusammen, und dann bricht man wiederum die Treue: es ist noch furchtbarer! Es ist unsagbar! Und das schwerste ist dann, halt wieder aufzustehen und weiter zu tappen. Oftmals kommt man schon – auch manche schon beim ersten Fall – soweit, dass sie gar nicht mehr an die Herrlichkeit der Fülle des Lebens glauben. Dann, beim zweiten Fall, da fängt ein Abgrund der göttlichen Barmherzigkeit und Liebe an, die ich nur dankbar glauben, aber nie verstehen kann.
 

 

 

VIII. Weinende Frauen

Dann nehme ich das Kapitel wieder auf von der Veronika: Jesus und die weinenden Frauen, wiederum Frauen. Frauen, die die Trägerinnen des Lebens sind, und die dem Urgeheimnis des Lebens meist näher stehen wie wir Männer, und die, wie ich vorhin bei der Veronika sagte, mutiger sind. Und dann muss man sich vorstellen, da hat der Herr denen etwas gesagt, was mich so zum Erstaunen bringt, dass ich an kein Ende denke. Er hat sein Leiden ganz vergessen, denn man muss sich doch vorstellen, er ist vorher gegeißelt worden. Ich denke dabei an den Bock in den deutschen KZ’s. Da sind viele nach einigen Schlägen schon tot gewesen. Und er wurde von unten bis oben restlos durchgepeitscht, durchgeschlagen, und da sagt er zu diesen Frauen: „Denkt nicht an mich, weint nicht über mich, weint über Euch selbst und über Eure Kinder“. Er hat sich ganz selbstlos vergessen, um sich diesen Lebensträgerinnen zuzuwenden. Da ist etwas, diese Frauen, diese weinenden Frauen, die dann vielleicht nach Hause gingen. Einige gingen mit. Ihr wisst ja, die Apostel waren feige. Mit Ausnahme von Johannes sind sie alle abgehauen. Aber diese Frauen! Viele von denen, die da weinten, sind mitgelaufen, haben sich bekannt zu diesem, der zum Tode gebracht werden sollte.
 

 

IX. Dritter Fall

Das ist wohl eines der schönsten Bilder, nicht nur der fünfzehn Stationen, sondern soweit ich als schwacher Mensch es vermag, meine eigenen Dinge zu beurteilen, eines der schönsten, der dritte Fall. Das ist farbig schön, kompositionell schön. Aber ich habe es gar nicht gern, davon zu sprechen im üblichen Sinn, wie man Kunst anschaut. Denn ich persönlich glaube ja gar nicht an Kunst. Ich habe (...) oft gesagt, dass ich von Kunst, wenn es sie gibt, nur das glaube, dass sie der feinste Seismograph wäre des Geheimnisses des Lebens.

Ich meine, bei diesem Daliegenden, der zum dritten Mal hingeschmettert wurde, da ist die Offenbarung von der Liebe, die ich am Anfang besonders bezeichnen wollte und umschreiben wollte und aussagen wollte, das ist hier, finde ich, auf eine Weise gegeben, dass ich jetzt als Schöpfer dieses Werkes den Eindruck habe, dass bei allem Leid – eben das, was am ganzen Kreuzweg, den wir nicht mögen und doch mögen zuletzt – dass im Hintergrund – und das ist hier schon sichtbar – ein unsagbarer Friede ist. Eine Lösung, eine Erlösung, dass man schon fast mit dem Verstand begreifen kann, dass es wahr ist, was dieser Jesus Christus gesagt hat: „Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und sooo folge er mir nach“. Ich habe den Eindruck, dass im Geheimen da schon die Auferstehung dahinter ist. Es ist dieser Fall ein Trostbild und, wenn wir fallen sollten – ich wünsche es Euch (...) nicht, aber wir sind Menschen -, dann möchte ich sagen: nie verzweifeln! Nie aufgeben!
 

 

X. Entkleidung

Ja, das ist ein sehr delikates Werk, diese Entkleidung Christi. Wenn wir Menschen ehrlich sind, dann wissen wir, was das Fleisch sein kann, was das Fleisch bedeuten kann. Ich rede ganz offen. Wir sind im Sexzeitalter. Es hat bei den Römern, bei allen Völkern der Welt Ausschweifungen gegeben. Ausschweifungen des Fleisches. Aber ich glaube, dass wir in der Moderne der Lehre und Praxis nach auf einem gewissen Höhepunkt angekommen sind. Und nun wird diesem Urheber des Lebens das Kleid von seinem Leib gerissen. Da ist es nicht so sehr der physische Schmerz dieser angeklebten, blutverkrusteten Fetzen, sondern der seelische Schmerz über die Entwürdigung des Leibes überhaupt. Und wenn man dahinein hinzuzieht die Ungeheuerlichkeit – eben jetzt sind wir bald wieder mitten in Weihnachten drin, wo wir meist heucheln und ein Geschenkfest daraus machen, und es ist doch das Fest der Ehrung, der Würdigung des menschlichen Fleisches -, Gott ist Fleisch geworden, und so endigte hier das göttliche Fleisch.

Wenn eine Frau entwürdigt wird durch Vergewaltigung, das kann sehr, sehr schlimm sein: wenn man aber einen Gott, der der Urheber und Liebhaber des Fleisches ist, so misshandelt, dann ist es nur, da ist es einfach für mich unfassbar. Unfassbar!
Ihr seht diese paar weißen Fetzen. Die ich da gelassen habe, die erinnern an Sauberkeit. Früher hatte man noch ganz gut verstanden, was heute kein Mensch mehr versteht, Keuschheit, Sauberkeit.
 

 

XI. Annagelung

Ja, da könnte man weinen, wenn man nur, mit dem Verstand etwa, Geschichte studiert. Ich kann, könnte, müsste verzweifeln. Meere von Blut sind vergossen worden seit Uranfang, und das, das da, hier, wo die Dominate rot ist, und dieser Henker dort mit seinem roten, blutrünstigen Auge, und da das physische und psychische Leid. Es ist entsetzlich, schrecklich, schrecklich. Man kann nur und muss fortfahren mit dem anderen. Das kommt dann nur zum Vorschein am Ende.
 

 

XII. Sterben

Und nun ist halt das da. Also, Ihr seht, da ist fast keine Farbe. Ich hatte die Aufgabe darzustellen, dass nicht ein Gott, sondern der Gott stirbt. Der Urheber des Lebens stirbt, freiwillig, ohne Theater, echt und wahrhaftig. Ich habe, ich bekenne es, geweint wie ein kleiner Bub, als ich dieses Werk schuf. Und Ihr seht ja, dass ich, es ist vielleicht ein Glück, ich konnte nicht mehr, ich war am Ende. So habe ich mit den Mitteln, sowohl zeichnerischer wie farbiger Art mich beschränkt und habe, glaube ich, nur das äußerste gebraucht, um das Äußerste darstellen zu können: Gott stirbt!
 

 

 

 

XIII. Kreuzabnahme

Ach ja, nach diesem schweren Leid, das wir jetzt gemeinschaftlich miteinander erlebt haben, ist dann – sollte der Ausklang sein. Und ich habe dann versucht, mit wenigen, fast wie beim Gekreuzigten, da ich ja räumlich auf die 40 x 60 cm angewiesen war, mich so beschränkt zu äußern. Diese Frau hier, die hat das Leid ganz – ganz innen drin. Der Sohn, er hat es geschafft. Es hängt alles an ihm bis hinauf nach Golgatha.(...)
 

 

XIV. Grablegung

Ja, und dann kam er ins Grab, Gott war im Grab, ganz anders wie der Nietzsche es meint. Dieser Gott, Jesus von Nazareth, war tot im Grab. Das habe ich da hinten mit der dunklen Sargkiste angedeutet, und darüber kann man nichts mehr weiter philosophieren. Man kann nur mit dürren Worten, so ungefähr, wie ich es sagte: Gott war tot! Schlimmeres kann man nicht aussagen. Man kann nur still sein.
 

 

XV. Auferstehung

Ho, nun ist das 15. Bild da. Ganz auf Goldgrund geschaffen. (...) Der Gott-Kerl Jesus hat aus eigener Kraft es geschafft: raus aus dem Loch, raus aus dem Grab, zur Fülle des Lebens aufzusteigen.

Und nun muss ich hinzufügen, meine Auftraggeber haben Anstoß, großen Anstoß genommen, dass man diesem Jesus, den ich fast gotteslästerlich „Gott-Kerl“ nannte, das Grab noch ansieht. Ich weiß nicht, ob jene von uns lebenden Menschen von meiner Generation sind. Ich war im Ersten Krieg, ich war im Zweiten Krieg Soldat, aber man braucht nicht aktiver Soldat von zwei Weltkriegen gewesen zu sein, es gibt Millionen Deutsche, die durch Bombenhagel der Alliierten verschüttet wurden, Die ausgegraben wurden und die nicht mehr glaubten, das Tageslicht zu sehen. Als die dann wieder Licht sahen, Leben erlebten – ja, ist das eine schwere Sünde, wenn ich diesen Jesus in diesem Zeichen darstelle? Einseitig etwa nicht seine Gottheit, sondern seine Menschheit betone? Denn auch er war echt, echter wie wir, will freiwillig, im Grab, tragisch, dramatisch, und nun ist er da, All-Jugend, innerlich! Man sieht’s, er hat’s geschafft, die Hölle ist hinter ihm. Er eilt der Fülle, der Lösung, der Erlösung entgegen.

 

     
 

>> zum Seitenanfang

     
 

Update 28-04-2015 10:40 RZ