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.. Ortsgeschichte / Denzlingen im 20. Jahrhundert / Zeittafel

Quellen: >> siehe Veröffentlichungen
[1.2]
"Denzlingen, eine alemannische Siedlung im Breisgau", 1984

[1.6] Denzlingen" Ortschronik, Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des zweiten Weltkrieges, 2010
[3.33] Nr. 33 - 2005 - Kriegsende 1945 - Gedenken 2005

weitere Quellen:
[EPfAD. Protokollbuch 1902-1929]
[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]
[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1911-1966]
[EPfAD. Spezielakte Denzlingen 1755-1938]
[EPfAD. Schriftverkehr]
[GA-DE. 2 A-475, Kirchensachen 1950-1983]
[Archiv des Staatlichen Amtes für Denkmalpflege Freiburg, Akten Denzlingen]

Diese Seite dokumentiert Ereignisse in Form einer Zeittafel. Eine wesentlich ausführlichere Darstellung des Jahrhunderts mit Bildern finden Sie >> hier

Das 20. Jahrhundert beginnt mit dem Ersten Weltkrieg, an dessen Ende 1918 sowohl der deutsche Kaiser Wilhelm II als auch der Großherzog Friedrich II. von Baden (1907-1918) abdanken müssen. Das Großherzogtum Baden besteht jedoch in identischen Grenzen als Republik Baden weiter und wird von Staatspräsidenten regiert, die in rascher Folge wechseln. Mit dem „Vorläufigen Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich" verliert auch Baden 1933 seine Souveränität und steht von 1933 bis 1945 unter der Leitung des Reichstatthalters Robert Wagner und des Ministerpräsidenten Walter Köhler.

 

Am Ende des Zweiten Weltkriegs liegt das Deutsche Reich und viele der größeren Städte in Trümmern. Millionen Tote, Millionen aus ihrer Heimat Vertriebene, Not, Hunger, Elend und unsägliches Leid sind zu beklagen. Nach der Kapitulation wird der nördliche Teil Badens amerikanischen Besatzungszone und der südliche Teil (mit Denzlingen) wird französische Besatzungszone. In der zweiten Jahrhunderthälfte gelingt der Wiederaufbau. Mit dem wirtschaftlichem Aufschwung können auch die Denzlinger in den Bereichen Wasserversorgung, Elektrifizierung, der Einrichtung eines Telefonnetzes und im Straßenbau auch an den Errungenschaften des Fortschritts partizipieren.

 

1900
Bei der Einrichtung der Grundbücher in den Jahren um 1900 wurde das Kirchen-u. Friedhofsgrundstück auf die politische Gemeinde im Grundbuch eingetragen.

1900 (07.01.)
Oberkirchenrat erteilt die Genehmigung zum Abriss der Pfarrscheuer. Diese stand südlich des Pfarrhauses.
[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]


1900 (04.07.)
Georgskirche: Der Kirchengemeinderat beschließt, daß die vom Oberkirchenrat am 29.07.1899 genehmigte Heizungsanlage in der Kirche vergeben und zur Ausführung gebracht werden soll.
[EPfAD. Kirchengemeinderats-Protokolle 1847-1911]
 

1901, Die Eisenbahnlinie bis Elzach fertiggestellt.
Die Eisenbahnlinie ins Elztal wird über Waldkirch hinaus bis Elzach fertiggestellt.

 

1903 (4. 3.), Gemeinderat berät erstmals über eine kommunale Wasserversorgung

Weil Hausbesitzer für ihren Wasserbedarf selbst sorgen mußten, hatten die meisten Anwesen (Höfe) einen eigenen Brunnen. Um Brunnen das ganze Jahr über nutzen zu können, war Geschick und viel Erfahrung notwendig, damit die Brunnen im Sommer  nicht austrockneten und im Winter nicht zufroren. Immer wieder kam es auch zu Verunreinigungen in den Brunnen, die zu ansteckenden Krankheiten oder gar zu Epidemien führen konnten. Die Einrichtung einer zentralen kommunalen Wasserversorgung wurde deshalb als ein großer Fortschritt empfunden.


1872-76 wurde bereits in Freiburg eine zentrale Wasserversorgung gebaut und 1892 in Emmendingen. Während benachbarte Städte also bereits seit mehr als 10 Jahren über eine Wasserversorgung und Wasserleitungen verfügten, wird unter Bürgermeister Christian Rappold erstmals im Denzlinger Gemeinderat über Wasserleitungen für den Ort beraten. Zur Erledigung der "Wasserleitungs-Frage" werden die Bürger zu einer Versammlung eingeladen.

1904

Der Turnverein wird als „Arbeiter Turn- und Radfahrverein“ als ältester Sportverein gegründet.

 

1905 (12.02.)
Georgskirche: Der Leutplatz wird vom Chor in die erste Etage des Turmes verlegt.
[EPfAD. Protokollbuch 1902-1929]

 

1905 (13.5.) Gemeinderat berät eneut über die Wasserleitung

Das Thema "Wasserleitung" steht erneut auf der Gemeinderats Agenda. Bei der Suche nach geeigneten Quellen glaubt man, im Gemeindewald hinter Heuweiler (im Flissert) und vor allem in den Aigimatten (den Wiesen zwischen Glotter und Einbollen) geeignete Stellen gefunden zu haben.

 

1906 (12.4.) Beschluss des Gemeinderats Probelöcher zur Ermittlung von Quellen für die Wasserleitung graben zu lassen

Am 25. September 1906 beschließt der Gemeinderat, das Aufwerfen der Gräben zur Wasserleitung möglichst einem Denzlinger Unternehmen zu übergeben unter der Bedingung, wenn möglich Denzlinger Arbeiter einzusetzen. Am 23. Januar 1908 stimmte der Bürgerausschuss schließlich der Errichtung eines oder mehrerer Tiefbrunnen zu und genehmigte dafür 2.500 Mark. Probleme bereiteten die Eigentumsverhältnisse in den Aigimatten, denn zum Teil gehörten diese Wiesen Glottertäler Bauern und müssen erst durch Tausch oder Kauf in den Besitz der Gemeinde gebracht werden.

 

1909
In Denzlingen wird ein neues Rathaus gebaut. Das heutige „Alte Rathaus".

 

1911 (31. 1.), Wasserversorgung gesichert
Die Wasserversorgung für die 1 865 Einwohner Denzlingens wird durch eine Quellfassung am Einbollen und eine Brunnenstube am Brestenberg gesichert. I
m Spätjahr 1911 können bereits die ersten Wasseranschlüsse in Benutzung genommen werden. Wilhelm Jundt wird als  Brunnenmeister für die Überwachung und Instandhaltung der Wasserleitung angestellt. Für die Berechnung des Wasserzinses ist die Kopfzahl und der Viehbestand maßgebend.

 

Die Denzlinger kamen somit - im Vergleich zu Nachbargemeinden - 1911 relativ früh in den Genuss einer zentralen Wasserleitung. In Gundelfingen wurde 1912 eine Wasserleitung errichtet. In Sexau, Vörstetten und Glottertal gab es bis in die 1950er Jahre noch einzelne Brunnen in Betrieb, weil dort erst sehr spät eine zentrale Wasserversorgung verfügbar wurde - erst als 1961/1962 der "Wasserzweckverband Mauracher Berg" eingerichtet wurde und sich diese Gemeinden dem Zweckverband anschlossen.

  Kontakt

1. Vorsitzender
Joachim Müller-Bremberger,
Tel 07666 - 880309

Führungen im Heimethues
Manfred Wössner,
Tel. 07666 - 900457

Führungen im Storchenturm, Zeller Bilder
Daniel Böhler,
Tel. 07666 - 3637

Führungen im Storchenturm Gebäude und im Ort
Dieter Ohmberger,
Tel. 07666 - 2612

Karten und Ortspläne

>> Aktueller Ortsplan (pdf)
>> Denzlingen 1873

>> Dorfplan 1752

 

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1912, Fertigstellung des „neuen" (heute alten) Denzlinger Rathauses an der Hauptstr. 118
Das "alte Rathaus" befand sich beim heutigen Kaufhaus Leimenstoll (Hauptstr. 59) oberhalb des ehemaligen Farrenstalls.

1913 (17. 5.) Denzlingen hat 2 488 Einwohner.
 

1913 (21.7.), Grundsteinlegung zur katholischen St. Josefskirche
.. durch den Pfarrer Dr. Arnold aus Glottertal.

1913 (14. 9.), Weihe der katholischen St. Josefskirche

.. durch den Freiburger Weihbischof Dr. Knecht.


1913 (17. 8.) Feierliche Einweihung des Kriegerdenkmals

Als der Gemeinderat 1912 den Beschluss zum Bau eines Brunnendenkmals auf dem Platz zwischen dem Rathaus und der Schule fasste, mit dem an die Fertigstellung der kommunalen Wasserversorgung erinnert werden sollte, meldete der örtliche Reservisten- und Landwehrverein im Namen der Bevölkerung den Anspruch auf ein Kriegerdenkmal an. Der Verein und die Bevölkerung wünschten .. ein Denkmal, das an den ruhmreichen Feldzug gegen Frankreich 1870/71 erinnere. Er schlug eine Verknüpfung der beiden Anliegen, Brunnendenkmal und Kriegerdenkmal, vor. Nun wurde dem Waldkircher Bildhauer Kochendörfer am 23. Januar 1913 der Auftrag zur Herstellung des Brunnens verbunden mit einem Kriegerdenkmal auf dem Rathausplatz für 2.500 Mark erteilt, zu welchem der Militärverein einen Beitrag (dessen Höhe noch nicht bestimmt war), zu leisten hatte. Aus den Protokollen geht nicht hervor, ob der Verein tatsächlich einen Beitrag geleistet hat, und, wenn ja, in welcher Höhe.

 

1914 (bereits ab 1900), William de Neufville (1854-1924), Kaufmann und Bankier, erwirbt Land in Denzlingen
Die Familie de Neufville war (wie der Name erkennen lässt), französischen Ursprungs. Mitglieder der Familie waren 1589 als Hugenottische Glaubensflüchtlinge in Frankfurt am Main ansässig geworden. Dort kam die Familie mit der Produktion von Seidenstoffen und als Besitzer eines Bankhauses zu Vermögen.

 

Zwischen 1900 und 1914 erwirbt William de Neufville in Denzlingen große Teile des Geländes zwischen der Bahnlinie, der Hindenburgstraße und dem Mauracher Berg, dazu das Gewann Kleinfeldele und bedeutende Flächen auf der westlichen Seite des Mauracher Berges. Als Hofgut für seine Ländereien kauft er das Anwesen Hauptstraße 157, gegenüber dem Rathaus. Zum Verwalter seiner Güter setzt er Emil Binninger und später Rudolf Nübling ein. Es ist nicht bekannt, warum er gerade hier in Denzlingen investiert, aus den Ortsbereisungsakten ist nur zu entnehmen, dass er die Vision hatte, ein großes Hofgut und einen neuen Ortsteil für Arbeiterfamilien zu errichten.
 

1914 (9.2.) Gemeinderat beschließt Elektrifizierung

Bereits 1912 wurde in der Zigarrenfabrik Möllinger mit einer Turbine der erste elektrische Strom im Ort erzeugt. Mit dieser Energie wurde jedoch nur der eigene Bedarf der Fabrik gedeckt.

 

Am 9. Februar 1914 setzt der Gemeinderat eine Kommission ein, die sich in Gemeinden, in denen das elektrische Licht bereits eingeführt ist, informieren sollen. Gleichzeitig beschließt der Rat, zur Einführung des elektrischen Lichts mit Werk Oberhausen einen Vertrag B abzuschließen (Was dieser Vetrag B beinhaltet, ist nicht bekannt). Schon bald beginnt man mit dem Errichten der Strommasten und weiteren vorbereitenden Arbeiten. Wegen des Kriegsbeginns müssen die Arbeiten jedoch unterbrochen werden.

 

Grünerbaumwirt Arnold und Zigarrenfabrikant Strohm hatten für ihre Stromversorgung einen Sonderweg gefunden. Sie bezogen bereits 1916 elektrischen Strom von der Eisenbahngesellschaft.

 

1914 (04.10.)
Georgskirche: Der Kirchengemeinderat beschließt, dass eine elektrische Beleuchtung und Beleuchtungskörper
in die Kirche und das Pfarrhaus eingerichtet werden sollen. Verwirklichung erst 1917.
[EPfAD. Protokollbuch 1902-1929]

 

1917, Elektrische Beleuchtung

Im April 1917 erteilt der Gemeinderat der „Elektrischen Gesellschaft Freiburg" den Auftrag für die Installation des elektrischen Lichts im Rathaus, in der Schule und im Farrenstall, jedoch mit der Abweichung, daß die Lampen in den Lehrerwohnungen von den Lehrern auf ihre Berechnung zu beschaffen sind. Gegen Ende des Jahres 1917 installiert die „Ueberlandzentrale Oberhausen" die elektrische Straßenbeleuchtung im Ort. Strassenlaternen werden jedoch nur der entlang Dorfstraße angebracht.

 

1914-1918, Erster Weltkrieg

Die Denzlinger, die im August 1914 mit patriotischer Begeisterung in den Krieg zogen, waren wohl wie alle Deutschen der Meinung, dass dieser Krieg schon nach kurzer Zeit siegreich beendet sein würde. Niemand ahnte, dass er schließlich mehr als vier Jahre dauern würde, mit erbitterten Stellungskämpfen, Artillerieduellen und mit mehr als acht Millionen Toten auf beiden Seiten.

75 Denzlinger verlieren ihr Leben als Soldaten. Ihre Namen sind auf einer Gedenktafel an der Leichenhalle des Friedhofs eingraviert.

 

1917 (28.06.)
Georgskirche: Die evang. Kirchengemeinde muss am 29.07. zwei Glocken als Kriegsopfer abgeben.

[EPfAD. Protokolle des Kirchengemeinderates 1911-1966]

 

1917 (29.07.)
Die evang. Kirchengemeinde muß am 29.07. zwei Glocken als Kriegsopfer abgeben.
[EPfAD. Protokolle des Kirchengemeinderates 1911-1966]

 

1918, Ende des ersten Weltkrieges

Kaiser Wilhelm II und auch der Großherzog Friedrich II. (1907-1918) müssen abdanken. Das Großherzogtum Baden besteht jedoch in identischen Grenzen als Republik Baden weiter und wird von Staatspräsidenten regiert, die in rascher Folge wechseln.

 

Gegen Kriegsende kam es, besonders in den Städten, zu Hungersnot ...Während des Krieges hatte die Gemeinde Denzlingen mehrfach finanzielle Beiträge zu den Kriegskosten zu leisten. So stimmte der Gemeinderat am 14. März 1915 dafür, 5.000 Mark aus dem Vermögensstock für Kriegszwecke zu geben, die innerhalb der nächsten drei Jahre wieder dem Vermögen zugeführt werden sollten. Etliche weitere Zeichnungen von Kriegsanleihen mussten durch Kapitalaufnahme aufgebracht werden, in der Hoffnung sie durch Holzerlöse später ausgleichen zu können.

     

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1919, Otto Raupp wird evangelischer Pfarrer in Denzlingen
Dekan Otto Raupp wird als Nachfolger des Johannes Münch (1899-1919) evangelischer Pfarrer in Denzlingen; er tritt auch als Dichter, Maler und Heimatforscher hervor.

 

[1.6] .. Pfarrer Otto Raupp d.. war es ein Bedürfnis, in Kontakt mit den gefangen gehaltenen Denzlingern zu bleiben, um ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass man sie in der Heimat nicht vergessen hat. Er schrieb den Gefangenen Briefe, in denen er sie tröstete und ihnen Mut machte. Aus dieser Korrespondenz wissen wir, dass sich Denzlinger in Kriegsgefangenenlagern in England, Frankreich und Russland und als Internierte in der Schweiz befanden.

 

1922 (09.07.)
Georgskirche: Bürgermeister Karl Friedrich Rappold übergibt, unter Mitwirkung des Musikverein Denzlingen, zwei neuen Glocken an die evang. Kirchengemeinde.
[EPfAD. Protokolle des Kirchengemeinderates 1911-1966]

 

1922 (16.07.)
Nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Bürgermeisterwahl, bei der Karl Friedrich Rappold mit großer Mehrheit wiedergewählt wurde, haben sich Unbefugte Denzlinger Zugang zum Kirchturm verschafft und mit den noch ungeweihten Glocken ein Freudenläuten veranstaltet.
[EPfAD. Spezielakte Denzlingen 1755-1938]

1923 (23.09.)
Der Kirchendiener erhält ein Jahresgehalt von 30.000.000 M. Die Organisten erhalten ein Jahresgehalt von 50.000.000 M.
[EPfAD. Protokollbuch 1902-1929]


1923,  Währungsreform, Einführung einer neuen Währungsordnung „Rentenmark",

Nach dem Krieg beginnt eine Zeit der wirtschaftlichen Depression und der politischen Instabilität. Durch die Reparationszahlungen ausgelöst kommt es zu einer Geldentwertung, die im Jahr 1923 ihren Höhepunkt erreicht: 1914 galt der US-Dollar noch 4,20 Mark, im Januar 1922 bereits 191,88 Mark und im November 1923 dann schließlich 4,2 Billionen Mark. Dies treibt viele Denzlinger in die Armut; vor allem ältere Menschen, [1.6] die um ihr Erspartes gebracht werden. Die rasante Geldentwertung trifft aber auch kleine Gewerbetreibende, Arbeiter, Kriegerwitwen und Kriegsinvaliden  schmerzlich. Während die Arbeitslosigkeit steigt fallen die Reallöhne ins Bodenlose. Erst die Einführung einer neuen Währungsordnung, der „Rentenmark", am 15.11.1923, verbunden mit einer Abwertung von 1 Rentenmark zu 1 Billion (Papier)-Mark, beendetedie inflationäre Geldentwertung.

 

1924 (30.8.), Denzlinger Liegenschaften Neufville's gehen in die „Familienstiftung William de Neufville" über

Nach dem Tod William de Neufville's gehen seine Denzlinger Liegenschaften in die „Familienstiftung William de Neufville" über. Diese hat 1927/28 die Absicht, auf dem Mauracher Berg im Gewann „Hummelgarten" ein kleines schlossartiges Haus zu bauen. Der Gemeinderat lehnt dies jedoch ab.

 

1924 (30.8.), Einführung der Reichsmark
Mit der Einführung der Reichsmark werden wieder normale Verhältnisse geschaffen.

 

1928 (08.06.)
Der Kirchengemeinderat beschließt, daß an Stelle des Blasebalges ein elektrisches Gebläse in die Orgel eingebaut wird.
[EPfAD. Protokollbuch 1902-1929]


1929
Denzlingen hat 2 070 Einwohner.

 

1931 (15.03.)
Zwecks Anschaffung einer neuen Orgel wird von der Kirchengemeinde ein Orgelfond mit 10.000 M. gegründet.
[EPfAD. Protokolle des Kirchengemeinderates 1911-1966]
 

1932 (29.2.), Gründung der Ortsgruppe der NSDAP in Denzlingen

Die Ortsgruppe der NSDAP in Denzlingen wird auf Betreiben des Kreisleiters Dr. Rehm (Emmendingen) gegründet.

 

1932 (31.7.), Reichstagswahlen

Aus den Reichstagswahlen geht die NSDAP mit 37,3 % (13 Millionen) als stärkste Partei hervor.

 

1933 (1.1.), Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler
Als Hindenburg am 22. August 1933 stirbt, ernennt Hitler sich selbst zum Reichpräsidenten.

 

[1.6] Durch das „Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat" wird die NSDAP zur „Trägerin des deutschen Staatsgedankens". Damit begann jene verhängnisvolle Entwicklung zum totalitären Staat, die mit den Rassegesetzen und der Verfolgung und Ermordung anders Denkender ihren unheilvollen Lauf nahm und letztlich zum zweiten Weltkrieg führte.

 

[1.6] Bereits im Vorfeld der Reichstagswahlen 1931/32 waren im Dorf heftige Wahlkämpfe geführt worden. Für den 12. Februar 1932 wurde von der NSDAP-Ortsgruppe Emmendingen eine Wahlveranstaltung mit Dr. Theophil Rehm aus Emmendingen im Denzlinger Gasthaus „Grüner Baum" angemeldet .. Dieselbe Ortsgruppe lud am 29. Februar erneut in den „Grünen Baum" ein, wo außer Dr. Rehm auch der Denzlinger Wilhelm Meier sprach .. Bei dieser Versammlung wurde die Denzlinger Ortsgruppe der NSDAP gegründet .. Im Juni 1932 folgte eine weitere Wahlveranstaltung im „Grünen Baum" als „Deutscher Abend" der NSDAP-Ortsgruppen Gundelfingen-Denzlingen-Vörstetten. Wiederum waren der Denzlinger Ortsgruppenleiter Meier und Kreisleiter Dr. Rehm aus Emmendingen die Redner. Mit flotten Märschen und dem Theaterstück „Wilhelm Teil", von Parteigenossen aufgeführt, wollte man die Bevölkerung auf sich aufmerksam machen. Zum Abschluss wurde das Deutschlandlied gesungen.

 

[1.6] Am 13. Juni 1931 erschien der Denzlinger Friedrich Franz im Rathaus mit Flugblättern der KPD, um die Genehmigung zu deren Verteilung einzuholen. Als ihm erklärt wurde, dass dies laut Verordnung des Reichspräsidenten verboten sei, verließ er das Rathaus mit der Bemerkung: Dann mach' ich es eben ohne Genehmigung, und ihr seid alle Hosenschiesser. Als aktiver Kommunist stand er fortan unter der besonderen Beobachtung der Sicherheitsbehörden.

 

1933 (30.1.), Hitler kommt an die Macht
Am 30.1.1933 kommt Hitler an die Macht. Landesweit gibt es Fackelzüge und Freudenfeuer, auch in Denzlingen.

 

1933 (5.3.) Reichtagswahlen
Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 wählen 59,67% der Denzlinger die NSDAP. Das Ergebnis der Reichstagswahlen, bei denen die NSDAP im Reich 43,9 %, in Denzlingen aber 59,6 % der Stimmen erhielt, macht deutlich, dass Denzlingen alles Andere als ein „Widerstandsnest" war, sondern den Nationalsozialismus überdurchschnittlich stark favorisierte.

 

[1.6] Vor den Reichtagswahlen am 5. März 1933 befanden sich die Sicherheitskräfte in Alarrnbereitschaft. Der Emmendinger Landrat Hagenunger wies am 28.2.1933 unter der Überschrift Die politische Lage die Gendarmerie an: "Mit sofortiger Wirkung bis zunächst einschließlich Montag, den 6 März, ist der Außendienst auf das unbedingt Nötigste zu beschränken" .. Am 1. März 1933 erreicht ein Funkspruch aus Karlsruhe das Landratsamt mit dem Hinweis: "Die bisherigen Ereignisse erfordern schärfste Aufmerksamkeit und strengste Maßnahmen, insbesondere gegenüber der kommunistischen Bewegung". ...

 

[1.6] Am 2. März 1933 führte man bei dem Denzlinger Kommunisten Friedrich Franz eine Hausdurchsuchung durch, bei der 35 Exemplare der „Antifaschistischen Jugendzeitung" .. gefunden wurden ... Zwei Tage später, am 4. März, wurde er verhaftet, am 7. März aber bereits wieder auf freien Fuß gesetzt ... Diese Maßnahmen lassen die erste Stufe der Einschüchterung von Gegnern des NS-Regimes und den Übergang zum Überwachungsstaat erkennen. Bei den Kommunisten fing man an; sie waren die kleinste Gruppe der Oppositionellen. Juden gab es in Denzlingen nicht. .

 

[1.6] Nicht einmal zwei Wochen nach den erwähnten Reichstagswahlen .. mahnte das Bezirksamt die Bürgermeister im Kreis Emmendingen noch: Es ist zu unserer Kenntnis gekommen, dass in einzelnen Gemeinden Angehörige der NSDAP sich Rechte anmaßen, die ihnen in keiner Weise zukommen. So soll die Absetzung des Bürgermeisters, des Gemeinderats oder einzelner Mitglieder in Aussicht gestellt worden sein. Die Amtsenthebung eines Bürgermeisters oder einzelner Mitglieder des Gemeinderats erfolgt nur durch die Staatsaufsichtsbehörde bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen.

 

... Dies war offensichlich eine Illusion, die das Ermächtigungsgesetz widerlegte.

     

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1933 (23.3.), Ermächtigungsgesetz

Die Landesregierungen werden ermächtigt, entsprechende Gesetze zur Umstrukturierung der Gemeindeverwaltungen zu erlassen. Danach müssen die Selbstverwaltungskörperschaften nach den Stimmenverhältnissen der Reichstagswahl vom 5. März 1933 neu zusammengesetzt werden. Der Gemeinderat wird nicht mehr gewählt, sondern von der örtlichen NSDAP berufen - mit Vorschlagsrecht bei der NSDAP-Ortsgruppe und beim jeweiligen Ortsgruppenleiter. Als Folge wird der Denzlinger Gemeinderat aufgelöst und bis auf eine Person mit neuen (NSDAP-) Mitgliedern besetzt.

 

1933 (5. 5.)
Robert Wagner wird Reichsstatthalter in Baden. Dies wirkt als Signal für die nationalsozialistische Machtergreifung in Baden.

 

1933 (19.6.), Erste Beschlüssen des neuen Gemeinderats

Dazu gehörten:
a) Die Umbenennung der Hauptstraße in „Adolf-Hitler-Straße",
b) Die Umbenennung des Platzes zwischen Schul- und Rathaus in „Robert-Wagner-Platz".

1933 (4.7.), Anordnung der NSDAP-Kreisleitung, Versammlungen dem örtl. Parteileiter anzumelden
Die Kreisleitung der NSDAP ordnet an, dass Versammlungen aller Art, auch geschlossene Versammlungen, dem örtlichen Parteileiter angezeigt werden sollen, der dann auch befugt sein soll, den Vorsitz zu übernehmen.
 

1935, Pfarrer Raupp verweigert der SA das Aufmarschieren in der Kirche
Er beruft sich dabei auf bestehende Bestimmungen der Landeskirche. In dieser Angelegenheit teilt er auch dem Landesbischof mit, dass die örtliche SA damit nicht einverstanden sei und wolle vielmehr bei kirchlichen Feiern wie Beerdigungen von SA Mitgliedern oder am Volksheldengedenktag geschlossen einmarschieren.

 

1935 (7.12.),

Ende 1935 wird Bürgermeister Karl Leimenstoll (SPD) abgesetzt und NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Meier zum Bürgermeister eingesetzt.

Mit Erlass des Reichsstatthalters von Baden vom 11. März 1935 [1.6] .. wurde das Bezirksamt Emmendingen angewiesen, die Amtsenthebung von Bürgermeister Leimenstoll vorzunehmen. Mit Schreiben vom 25. März wurde mitgeteilt, dass der Erlass unverzüglich umzusetzen sei. Als die NSDAP-Kreisleitung Leimenstoll daraufhin am 7. April mit sofortiger Wirkung beurlauben wollte, meldete das Bezirksamt jedoch rechtliche Bedenken an. Am 13. Mai leitete Leimenstoll zum letzten Mal eine Gemeinderatssitzung. Dann folgte auch das Bezirksamt Emmendingen den Anweisungen und teilte Leimenstoll mit: Ihre Zurruhesetzung wird mit Ablauf des 30. Juni 1935 wirksam. Begründet wurde diese Maßnahme mit der Anwendung des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums". Mit diesem Gesetz wurden vornehmlich Angehörige von Linksparteien und Juden aus den kommunalen Ämtern entfernt.
 

Seit dem 3. Juni 1935 leitete der Erste Beigeordnete Wilhelm Meier als Bürgermeister-Stellvertreter kommissarisch den Gemeinderat ... Am 7. Dezember 1935 verfügt das Bezirksamt Emmendingen offiziell seine Ernennung zum Bürgermeister - allerdings ein Bürgermeister, der nicht von der Bürgerschaft gewählt, sondern von der NSDAP eingesetzt war.

 

Etliche Denzlinger waren mit Meier als Bürgermeister nicht einverstanden und machten sich mit anonymen, undatierten Zettelnotizen bemerkbar, die in den Rathaus-Briefkasten und in Wahlurnen eingeworfen wurden - eine Auswahl aus diesen „Bürgerstimmen" ist nachzulesen in [1.6]
 

1933 - 1935, Rückgang der Arbeitslosigkeit,

[1.6] Der Rückgang der Arbeitslosigkeit, der durch verschiedene Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Deutschen Reich erreicht wurde - 1933 auf 4,9 Millionen, 1934 auf 2,7 Millionen und 1935 auf 2,1 Millionen - scheint in Denzlingen erst allmählich eine Verbesserung der Lebenssituation gebracht zu haben. Denn die Auswertung der entsprechenden Gemeinderatsakten ergibt, dass im Jahr 1934 vom Gemeinderat noch 102 Anträge auf Stundung oder Erlassung der Gemeindesteuern, Hundessteuer, Mieten sowie des Wasserzinses wegen zu geringem oder fehlendem Einkommen zu beraten waren. Von den 102 Antragstellern waren 41 Arbeiter, 23 Handwerker/Gewerbetreibende, 18 Arbeitslose, 13 Landwirte, 3 Fabrikanten, 3 Witwen und ein Verein.

 

1933 - 1939, NSDAP Kundgebungen und Fackelzüge durchs Dorf
[1.6] In den Jahren von 1933 bis zum Kriegsausbruch 1939 fanden in den Sälen der Gasthäuser „Grüner Baum" und „Ochsen" zahlreiche Kundgebungen und parteipolitische Veranstaltungen der NSDAP statt. Insbesonders nach Führerreden, die im Rundfunk übertragen wurden, veranstaltete man Fackelzüge durch das Dorf. Bereits nach der Machtergreifung im Januar 1933, bei zahlreichen Kundgebungen und Vereinsjubiläen, beim Einmarsch der deutschen Truppen in Böhmen und Mähren im März 1939 zogen die Denzlinger mit Fackeln durch den Ort, begleitet vom Musikverein. Fackelzüge waren in jenen Jahren Ausdruck der Zustimmung zum Kurs des Führers und der Partei. Am 1. Mai, dem Nationalfeiertag, sowie am 9. November, dem Tag des Gedenkens an die nationalsozialistischen Toten in München von 1923, wurden beim Kriegerdenkmal auf dem Kirchplatz, der nun nach dem Reichsstatthalter in Robert-Wagner-Platz umbenannt wurde, feierliche Gedenkfeiern abgehalten.

 

Bei der Gründung der Denzlinger NSDAP Ortsgruppe wir der frühere Sozialdemokrat und Lehrer a.D. Wilhelm Meier zum Ortsgruppenleiter bestimmt. Nach der Machtübernahme 1933 erhält die örtliche Partei mit 48 neuen Mitgliedern weiteren Zuwachs. Im Jahr 1937 treten weitere 99 Denzlinger in die Partei ein. 1943 zählt die Denzlinger Ortsgruppe bereits 239 Mitglieder, darunter auch der evangelische Pfarrer Hermann Leser und der Oberlehrer, Organist und Kirchenchordirigent Wilhelm Schäfer.

[1.6] Wilhelm Meier blieb bis 1938 Ortsgruppenleiter. Die Umstände des jähen Endes seiner Parteikarriere sind bemerkenswert: Als er am 12.7.1938 auf dem Bahnhofplatz in Emmendingen seinen ehemaligen
jüdischen Studienkollegen Isaak Hobel traf und diesen begrüßte, wurde er denunziert. Meier musste diesen Tatbestand vor der Kreisleitung rechtfertigen, die seinem Verhalten keinerlei Verständnis entgegenbrachte. Am 29. August 1938 wurde er schlagartig abserviert, wie er in seinen Lebenserinnerungen schreibt. Die Begründung lautete: Freundschaftlicher Verkehr mit Juden. Als neuer Ortsgruppenleiter wurde Emil Schamberger eingesetzt, dem später; nach dessen Einberufung zur Wehrmacht, bis 1945 Peter Mandt folgte. Meiers jüdischer Studienkollege Isaak Hobel war übrigens als Lehrer in Emmendingen tätig. 1940 wurde er mit seiner Frau Melitta nach Gurs deportiert. Beide kamen im Konzentrationslager Auschwitz um.

     

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1936 (14. 7.) Kaufvertrag für den Erwerb de Neufville'schen Liegenschaften wird notariell beglaubigt

Der Erwerb der 14,5 Hektar umfassenden Liegenschaften der „Familienstiftung William de Neufville", mit Sitz in Lausanne in der Schweiz, durch die Gemeinde fällt in die Zeit von Bürgermeister Wilhelm Meier (1935-1945). Dieser Erwerb ist von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung von Denzlingen, denn die Gemeinde benötigt dringend Gelände für den notwendigen Wohnungsbau und den Bau einer neuen Sportplatzanlage.

 

1934 trat die Gemeinde erstmals wegen eines Geländetausches zwecks Errichtung einer neuen Sportanlage mit dem Treuhänder der „Familienstiftung William de Neufville", Rechtsanwalt Dr. Fritz Trüssel in Bern, in Kontakt. Wilhelm Meier nahm 1935 als kommissarischer Bürgermeister diese Kontakte erneut auf und trat in konkrete Verhandlungen ein. Im Herbst 1935 kamen drei Vertreter der Stiftung aus Lausanne zu Besprechungen nach Denzlingen. Sie ließen erkennen, dass ein Verkauf gegen einen entsprechenden Preis möglich sei. Als Meier dies in der nächsten Gemeinderatssitzung berichtete, erhielt er ein einstimmiges Mandat für den Erwerb.

 

Nach langwierigen, zähen Verhandlungen und (nach Erinnerung Meiers) insgesamt 75 Schreiben in die Schweiz und 70 Schreiben innerhalb Deutschlands für die Abwicklung dieses Geschäftes, wird schließlich doch noch eine praktikable Lösung gefunden, die eine Einigung ermöglicht: Die Bezahlung erfolgt auf ein Treuhandkonto in Deutschland. Das Geld soll für Bedürfnisse der „Familienstiftung de Neufville" in Deutschland Verwendung finden. Diese Lösung erhält alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen, und am 14. Juli 1936 kann der Kaufvertrag notariell beglaubigt werden. Am 5. November wird die grundbuchmäßige Auflassung vorgenommen. Da die Mittel der Gemeindekasse für den Kauf nicht ausreichen, muss sich Meier das fehlende Geld bei Denzlinger Bürgern leihen. Auch die evangelische Kirchengemeinde gibt eine Zusage über 4.500 Reichsmark.

 

Mit Ausnahme zweier kleinerer Grundstücke, deren Eigentümer nicht zum Verkauf zu bewegen sind, wird die Gemeinde nun alleiniger Grundbesitzer des gesamten Geländes zwischen Eisenbahn - Hindenburgstraße - Brestenberg - Sonnhaldebuck.

 

1937, alte „Zehntscheuer" wird abgerissen
Die alte „Zehntscheuer" wird mitsamt Ställen und Tennen abgerissen [FAULER]

 

1938, lang schwelender Konflikt unter den örtlichen Nationalsozialisten bricht offen aus

Schon früh waren die örtlichen Parteigenossen gespalten, in eine Gruppe um den Wirt der Bahnhofsgaststätte Arnold und eine andere Gruppe von Parteigenossen, zu denen die beiden Brüder Beiermeister und Bürgermeister Meier gehörten.

 

[1.6] Die Bahnhofswirtschaft (Arnold) war schon vor der Machtergreifung ein beliebter Treffpunkt von NS-Sympathisanten und wurde nach der Machtergreifung zum Stammlokal für Parteigenossen und -funktionäre. Wer irgendwie von Namen und Bedeutung war im 3. Reich, trank hier seinen Schoppen, ob von der Kreis-, Gau-, oder Reichshauptstadt. So war auch NSDAP-Kreisleiter Dr. Konrad Glas regelmäßig mit seiner Ehefrau dort zu Gast. Otto Arnold galt im Ort als Günstling des Kreisleiters und anderer Parteigrößen. Es wurden Feste gefeiert, die des Öfteren zu Protesten der Anwohner und der Bevölkerung führten.

Der Konflikt brach offen aus, als im Herbst 1938 im Rahmen einer Mobilmachung viele Denzlinger, die bereits am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatten, Gestellungsbefehle erhielten, Otto Arnold jedoch „UK" (unabkömmlich) gestellt wurde und nicht einrücken musste. Die Flugblätter, die daraufhin an den Bäumen angeschlagen und auf den Dorfstraßen verstreut waren, nahm die Bevölkerung mit unverhohlener Sympathie und Schadenfreude zur Kenntnis. Kreisleiter Glas reagierte verärgert und schickte ein mehrseitiges Schreiben an seine Parteigenossen mit der Drohung, dass er "mit Polizei und Gendarmerie rücksichtslos gegen jeden dieser Spaltpilze vorgehen werde". Beim Versuch die Verbrecher zu ermitteln, wurden die Schriftbilder sämtlicher Schreibmaschinen im Ort kontrolliert, bis der Besitzer der Maschine, auf der das Flugblatt geschrieben worden war, identifiziert war:  das Parteimitglied E. Böhler. Als Täter aber wurden die beiden Gemeinderäte und örtlichen Parteigründungsmitglieder Karl und Gustav Beiermeister entlarvt. Beide wurden daraufhin am 29. Dezember aus dem Gemeinderat und aus der Partei
ausgeschlossen, und es wurde ein Dienststrafverfahren gegen sie eröffnet. Offenbar sind beide aber ohne weitere Strafen glimpflich davongekommen.

 

1938 - 1943, Die örtlichen Kirchengemeinden in der NS-Zeit

Auch die beiden örtlichen Kirchengemeinden sind ab 1933 mit den neuen, veränderten Verhältnissen konfrontiert. Da auf katholischer Seite relativ wenige schriftliche Zeugnisse aus dieser Zeit überliefert sind, scheint die evangelische Kirchengemeinde mehr involviert zu sein als die katholische Kuratie.

 

[1.6] So berichtet Pfarrkurator Dr. Pfaff von der katholischen Kirchengemeinde anlässlich seiner Visitation am 16.10.1938 mehr beiläufig: Es gibt kirchenfeindliche Bestrebungen wie überall. Die SA und Feuerwehr halten am Sonntagmorgen ihre Übungen ab. Bei der Visitation am 07.10.1943 ist von Schwierigkeiten bei der Durchführung von Prozessionen die Rede, und es wird erneut über die am Sonntagmorgen abgehaltenen Übungen der SA, Hitlerjugend und Feuerwehr Klage geführt ...

 

[1.6] In der evangelischen Kirchengemeinde fanden bereits 1932 Auseinandersetzungen über die Zusammensetzung des Kirchengemeindeausschusses und des Kirchengemeinderates statt. Zu jener Zeit gab es in den Kirchengemeindevertretungen vier Fraktionen: die „Deutschen Christen" (der NSDAP nahestehend), die „Bekennende Kirche", sowie die „Liberalen Christen" und „Die Evangelischen Sozialdemokraten" ...

 

[1.6] Nach der Machtübernahme 1933 bestanden die Nationalsozialisten auf einer neuen Zusammensetzung des Kirchengemeindeausschuss und Kirchengemeinderates. Da sich die „Liberalen Christen" und die „Evangelischen Sozialdemokraten" wegen der politischen Verhältnisse zurückgezogen hatten, ging es bei der Aufstellung einer Einheitsliste um die Sitzverteilung zwischen den beiden Gruppierungen „Deutsche Christen" (DC) und „Positive Christen" (PC). Offenbar will Pfarrer Raupp auch weiterhin Liberale im Kirchenausschuss und Kirchengemeinderat vertreten sehen. Die DC und die PC legten sich jedoch nicht fest. Der neue Kirchengemeinderat setzt sich danach - auf Grund des Übereinkommens von DC und PC - aus 4 PC und 4 DC Personen zusammen.

 

In einer Sitzung des Kirchengemeinderats 1934 moniert Pfarrer Raupp, dass die Hitlerjugend am Sonntagmorgen während des Gottesdienstes auf dem Kirchplatz (Robert Wagner-Platz) ihre Übungen abhält. 

Am 28. Februar 1934 berät der (ev.) Kirchengemeinderat über den Wunsch der örtlichen NSDAP, in der Georgskirche einen Film für die Jugend vorzuführen. Dagegen wird mehrheitlich eingewendet, die Kirche dürfe nicht zu einem Theater gemacht werden.

 

1938 (31.7.) Pfarrer Otto Raupp geht nach fast zwanzigjähriger Tätigkeit als Denzlinger Pfarrer in den Ruhestand

Otto Raup stirbt 1945. Sein Nachfolger wird Pfarrer Hermann Leser, Mitglied der NSDAP und der Vereinigung der „Positiven Christen. Obwohl er Parteimitglied ist, erweist er sich als mutiger Pfarrer, der sich, wenn es um die Belange der Kirchengemeinde geht, mit den Funktionären und Behörden anlegt. So setzt er den Bau des (ev.) Gemeindehauses gegen den Widerstand der Nationalsozialisten und der Behörden durch. Er gründet einen Mädchenkreis, einen Kreis junger Männer und später den Posaunenchor. Nach 1945 kann er Pfarrer in Denzlingen leiben, was andernorts NSDAP-Mitgliedern nicht erlaubt war.

 

1938 (August), Verhaftung des in Denzlingen lebenden, von Eichstetten stammenden, Jakob Bühler
An der Verhaftung des in Denzlingen lebenden, von Eichstetten stammenden, Jakob Bühler, im August 1938, waren die Denzlinger Nationalsozialisten nicht direkt beteiligt. Bühler war schon sehr früh ins Visier der überörtlichen NS-Institutionen geraten. Er wurde von Freiburg aus in das KZ Dachau eingeliefert und im Jahr 1942 im KZ Ravensbrück ermordet'. Auch die in Denzlingen geborene Hirschenwirtstochter Anna Bassinger geb. Reitzel, sie lebte zu jener Zeit weit weg von Denzlingen im Osten Deutschlands, wurde wegen Festhaltens an ihrem Glauben (Zeugen Jehovas) 1942 im KZ Ravensbrück ermordet.

 
 
 

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1939-1945, Zweiter Weltkrieg

Mehr als 180 Denzlinger kehren nicht mehr aus dem Krieg zurück. Ihre Namen sind auf Gedenktafeln an der Leichenhalle eingraviert.

 

[1.6] In den Kriegsjahren erforderten die Zwangsbewirtschaftung der Nahrungsmittel- und Gütererzeugung und die genaue Beachtung der Verordnungen über deren Verwendung einen großen Aufwand an Zeit und Kosten und bestimmten zunehmend die Arbeit des Bürgermeisters und der Funktionsträger der Partei. Die Kosten musste überwiegend die Gemeinde tragen; der Reichszuschuss betrug 1943, wie im Gemeinderat protokolliert wurde, 0,75 Reichsmark pro Einwohner. Die Überwachung und zentrale Steuerung erfasste alle Bereiche; selbst die Hühnereier wurden gezählt und gestempelt. Bauernführer Nübling und Ortsgruppenleiter Schamberger forderten den örtlichen Kleintierzuchtverein 1939 in einer Versammlung auf, die Fleisch-und Fellabgabe für die Volksgemeinschaft zu erhöhen.

 

1939 (2.9.) [1.6] Schon kurz nach Kriegsbeginn .. erhielt die Gemeinde die Auflage, monatlich 2.900 Reichsmark als Beitrag zur Kriegsführung zu leisten. Die pünktliche Entrichtung desselben ist der Gemeindeverwaltung oberste Pflicht, wurde im Protokoll dazu vermerkt.

 

1940 (28.5.) Beschluss des Gemeinderats über die Kosten und Unterbringung von Zwangsarbeitern

Bald nach Kriegsbeginn kommen polnische, französische, russische und serbische Kriegsgefangene/Zwangsarbeiter in den Ort. Sie arbeiten überwiegend in der Landwirtschaft.
 

[1.6] ... nach dem Beginn des Krieges wurden der Gemeinde die ersten polnischen Kriegsgefangenen und .. Zwangsarbeiter zugewiesen. Der Gemeinderat beschloss am 28. Mai 1940: Es entstehen Kosten für die Unterbringung und Verpflegung der gefangenen Polen sowie für den Wachmann, die auf die einzelnen Arbeitgeber der Gefangenen umgelegt werden sollen. Jeder, der einen Kriegsgefangenen beschäftigt, hat pro Tag 1 RM zu zahlen. Untergebracht waren die Polen in einer Baracke, die sich zwischen dem Bahnkörper der Eisenbahn und dem Haus Untergraben 61 befand.

 

1941 (25.4.) Serbische Kriegsgefangene treffen in Denzlingen ein

Diese werden in der ehemaligen Zigarrenfabrik Faist-Sohler in der Hinterhofstraße einquartiert. Das Fabrikgebäude hatte die Gemeinde im Jahr zuvor für 17.000 Reichsmark erworben.

[1.6] Französische Gefangene wurden im Haus „Barbara" (Hauptstraße 53) untergebracht. Als Wachmann für diese fungierte, wie bereits erwähnt wurde, der in der Nachbarschaft wohnende Landwirt Albert Schneider. Tagsüber waren die Gefangenen zur Arbeit bei Landwirten, Gärtnereien, Gasthäusern und Firmen eingeteilt. Abends kehrten sie in ihre Wohnquartiere zurück, die nach Nationalitäten getrennt waren. Eine namentliche Aufstellung der Kriegsgefangenen ist nicht erhalten, und auch ihre Anzahl ist unbekannt. Einzelne von ihnen wechselten später vom Status des Gefangenen in den eines Gastarbeiters über. Als Gastarbeiter konnten 99 Personen namentlich und mit ihrer Nationalität ermittelt werden. 55 von ihnen waren polnischer, 19 ukrainischer, je fünf russischer, belgischer, und französischer, vier niederländischer, drei jugoslawischer, zwei tschechischer und eine Person litauischer Nationalität.
 

1941 Gründung des (ev.) Posaunenchor

Pfarrer Leser gründet den Posaunenchor, obwohl nach dem Gleichschaltungsgesetz eigentlich nicht möglich.

 

1942 (25.04.)
Georgskirche: Die evang. Kirchengemeinde muß drei Glocken für Kriegszwecke abgeben. Die 1591 gegossene Glocke darf bleiben.

 

1942 (10.8.) Gemeinderat berät erstmals über die Errichtung von Luftschutzkellern.
Für das untere Unterdorf wird im Tiefkeller des Anwesens Hauptstraße 57 (später Kaufaus Leimenstoll) ein solcher eingerichtet.

 

1943, Kinder aus Dortmund werden mit ihren Lehrern nach Denzlingen evakuiert

In Folge der zunehmenden Luftangriffe auf die deutschen Großstädte werden immer mehr Menschen obdachlos. „Ausgebombte" versuchte man, in ländlichen Gegenden unterzubringen, und man beginnt damit, insbesondere die Kinder aus gefährdeten Städten vorsorglich zu evakuieren. Im Rahmen solcher Programme kommen 118 Kinder mit ihren Lehrern aus Dortmund nach Denzlingen. Ihnen werden zwei Klassenzimmer im Rathaus zugewiesen. Zur gleichen Zeit werden noch 12 Kinder aus Karlsruhe, 2 aus Hamburg, 2 aus Köln und 3 aus München im Dorf untergebracht. Bald wird der Wohnraum knapp. Deshalb wird am 30. September 1944 der evangelischen Kirchengemeinde mitgeteilt, dass im Rahmen der Wohnraumlenkung der Gemeindesaal beschlagnahmt ist und weil kriegsbedingt jegliche Beschwerde dagegen unzulässig sei.

 

Einquartierung deutscher Soldaten während des Krieges
Während des Krieges werden immer wieder deutsche Soldaten in Denzlingen einquartiert. Es gibt Begegnungen am Abend, an den Wochenenden und an den Festen, die im Dorf gefeiert werden. Die Begegnungen mit den Soldaten und das Kennenlernen der militärischen Ausrüstung ist für Buben und Mädchen und für die Jugendlichen interessant. So manche Freundschaft und Ehe entsteht daraus. Allerdings gibt es auch manche sehr kurze Ehe, weil der in Denzlingen geheiratete Mann, wenige Woche darauf bei einem Einsatz als Soldat um Leben kam.

     

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1944, Einrichtung einer Frauenabteilung bei der Feuerwehr

Die Abwesenheit der wehrfähigen Männer macht sich auch bei der Feuerwehr bemerkbar. Um die Wehr funktionsfähig zu halten, wird 1944 eine Frauenabteilung eingerichtet. 34 namentlich genannte junge Denzlinger Frauen werden zu Feuerwehrhelferinnen ausgebildet.

 

1944, Nahendes Kriegsende, Einmarsch der alliierten Truppen zeichnet sich ab

Das Landratsamt Emmendingen rät am 2. November den Bürgermeistern in einer als geheim deklarierten Mitteilung, Gegenstände von kulturellem Wert vor der Feindeinwirkung zu schützen, und bietet die Unterbringung im Pfarrhaus in Yach an.

 

Als Schutz der Bevölkerung gegen die zunehmenden Tieffliegerangriffe ordnete der Gemeinderat an, dass im Oberdorf bei der Katholischen St. Josefskirche und im Unterdorf unterhalb des Gasthauses Rebstock-Stube so genannte Fliegerdeckungsgräben angelegt werden. Die Bevölkerung wird zur Selbsthilfe angehalten.

 

Im Spätjahr zeichnet sich der der Einmarsch der alliierten Truppen ab. Die männlichen Jugendlichen und vor allem die Frauen werden zum Ausheben von Schützengräben verpflichtet, zunächst am Kaiserstuhl, später auch in der unmittelbaren Umgebung von Denzlingen. Noch heute sind diese mühsam von Hand ausgehobenen Gräben unter anderem auf dem Mauracher Berg, zwischen Sängerruhe und Hallerhof und auf der Nordseite des Berges, zu sehen.

 

1944, Jagdbomber Angriffe auf Denzlingen

Im Spätsommer 1944 haben die alliierten Streitkräfte den Luftraum über dem Breisgau erobert, was zunehmend Angriffe von Tieffliegern auf Eisenbahnzüge der strategisch wichtigen Rheintalbahn, den Straßenverkehr aber auch auf die Zivilbevölkerung zur Folge hat. Die Jagdbomber (JABO) greifen landwirtschaftliche Fahrzeuge und sogar einzelne Personen an. Feldarbeit und Ernteeinbringung ist nur noch unter erschwerten Bedingungen möglich. Die meisten Angriffe sind am frühen Morgen und am Abend, wenn Schulkinder und Arbeitende unterwegs sind. Bei diesen Angriffen wird die 74jährige Friederike Nübling vom Kohlerhof auf dem Feld getötet, zwei Wohnhäuser werden durch Bomben zerstört und mehrere Scheunen durch Bordwaffenbeschuss in Brand gesteckt. Eine im Gemeindearchiv Denzlingen vorliegende Statistik weist 35 Wohngebäude, 23 landwirtschaftliche Anwesen, 5 Handels- und Gewerbegebäude, 1 öffentliches Gebäude und 1 Kirchengebäude mit Kriegsschäden aus.


[1.6]
Am 8.9.1944 erfolgte ein gezielter Angriff von Jagdbombern auf einen aus dem Bahnhof Denzlingen in Richtung Gundelfingen fahrenden Güterzug, der aus der Lokomotive, zwei gedeckten Güterwagen und einem Kesselwagen bestand. Die Lokomotive wurde getroffen, der Lokführer getötet und der Heizer schwer verwundet. Der Kesselwagen und die brennenden Güterwagen wurden später zum Denzlinger Bahnhof zurück geholt ... Bei weiteren Angriffen wurde die Scheune der Familie Hanny in der Nähe des Bahnhofs getroffen und in Brand gesetzt.

 

[3.33] 7. Oktober 1944: Ein Angriff auf einen Zug. Der Lokführer wurde schwer verletzt.
[3.33] B. Oktober 1944: Ein Zug an der Bahnlinie wurde beschossen.
[3.33] 28. Oktober 1944: ein Haus zerstört, eine Reihe anderer schwer beschädigt, zwei hiesige Frauen getötet, zwei Männer verwundet.
[3.33] 10. Januar 1945: Dieser Angriff war um die Mittagszeit. In der Hinterhofstraße wurde ein Haus zerstört, andere in der Umgebung waren betroffen und hatten Schäden. Auch an der Kirche St. Josef, dem benachbarten Pfarrhaus und am Kindergartengebäude gingen mehrere Fenster zu Bruch.
 

1944 (30.09.)
Bürgermeister Wilhelm Meier informiert die evang. Kirchengemeinde, d, im Rahmen der Wohnraumlenkung der G meindesaal im Lutherhaus (Gehmeindehau beschlagnahmt wird. Am 02.10. trifft das amtliche Schreiben dann ein. Da diese Beschlagnahme Kriegsbedingt ist, ist eine Beschwerde dagegen unzulässig.
[EPfAD. Schriftverkehr]

1944 (28.10.), Haus Hindenburgstr. 91 zerstört
[1.6] Am 28. Oktober 1944 wurde das Haus Nr. 91 in der Hindenburgstraße zerstört; dabei kam Frau Charlotte Schär ums Leben. Am gleichen Tag wurde die damals 74jährige Kohlerhofbäuerin Friederike Nübling bei der Feldarbeit tödlich getroffen. Am 10. Januar 1945 ist das Haus der Familie Balthasar Schmidt inder Hinterhofstraße von einer Bombe getroffen worden, und dabei wurden die Fenster der St. Josefskirche teilweise zerstört.

     

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1945, Schanzen
Als das Einrücken der französischen Soldaten in unsere Region absehbar wird, müssen männliche Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren zusammen mit den Frauen Verteidigungsstellen einrichten. Zuerst sind das Schanzgräben in der Nähe des Rheins bei Breisach und Sasbach. Die für diese Arbeiten einbestellten Personen werden mit Lastwagen hingefahren. Allle Arbeiten müssen von Hand mit Pickeln und Schaufeln erledigt werden. Als dann Arbeiten in der Nähe von Riegel zu erledigen sind, müssen die Frauen mit dem Fahrrad nach Riegel fahren und die Schaufel mitbringen.
Manchmal werden die Frauen bei der Schanzarbeit von den „Jabos" verfolgt und beschossen, manchmal auch schon auf dem Weg dorthin.
 

Auch auf dem Mauracher Berg werden im Frühjahr 1945 Schanzgräben angelegt, aber für Verteidigungskämpfe nicht benötigt. Wer sich genau umschaut, kann diese Schanzgräben noch entdecken. Auf dem Bergrücken zwischen Sängerruh und Hallerhof ist ein Schanzgraben - zwar schon ziemlich zugefallen — immer noch zu erkennen. Weitere Schanzgräben sind auf der Nordseite des Mauracher Berges im Waldstück mitten im Hang östlich des Muggenbrunnens.

 

1945 (20.4), Rückzug deutscher Soldaten

[1.6] Das Kriegsende deutete sich an .. als von Vörstetten kommend lange Kolonnen deutscher Soldaten die Dorfstraße hinauf in Richtung Schwarzwald zogen. Sie befanden sich auf dem Rückzug vor den heranrückenden französischen Truppen. Nun breitete sich unter den Dorfbewohnern große Sorge und Unsicherheit vor der ungewissen Zukunft aus; in höchster Erregung sammelten sie sich in Gruppen auf der Straße und blickten den durchziehenden Soldaten nach. Während einige noch immer an den „Endsieg" glaubten, machten sich andere Gedanken, wie man den Ort verteidigen könnte. Ein SS-Kommando, welches beim Gasthaus „Rebstock-Stube" Stellung beziehen und die Dorfeinfahrt von Sexau her verteidigen wollte, konnte glücklicherweise abgehalten werden.

 

1945 (21.4), Französische Soldaten rücken von Sexau, Wasser und Buchholz kommend in den Ort ein.

[3.33] Am 21.4.1945 rückten französische Truppen zuerst von Sexau kommend, über die Kirchstraße, dann über die Landstraßen von Wasser und Buchholz/Waldkirch her, in Denzlingen ein und besetzten den Ort. Rebstockwirt Adolf Frey, „Storchenbur" Alfred Nübling und die französisch sprechende Elfriede Nübling-Zahn hatten wohl als erste Denzlinger, an der Einmündung der Kirchstraße in die Hauptstraße, Kontakt mit den französischen Soldaten. Frau Nübling führte eine weiße Fahne mit sich und verhandelte mit ihnen.

 

Für Denzlingen ist der Krieg damit zu Ende. Hedwig Köbele, geb. Beyerbach, beobachtete aus dem Kellerfenster im Stapflehaus, Hauptstraße 97, den Einmarsch und berichtet:
[1.6] Frau Roser, unsere Nachbarin, hatte aus einem Leintuch weiße Fahnenstücke gemacht und jedem von uns ein Stück in die Hand gegeben. Wir beobachteten, wie der erste Panzerwagen auf die Kreuzung zufuhr. Wir sahen, wie der Stubenwirt Adolf Frey und „Storchenbauer" Alfred Nübling mit einem Krug Wein und Gläsern den Franzosen entgegen gingen und ihnen zur Begrüßung ein Glas Wein, vermutlich Einboller, anboten.Frau Elfriede Nübling-Zahn, eine französisch sprechende Zahnärztin aus Denzlingen, kam mit dem Fahrrad die Dorfstraße heruntergefahren und stieß hinzu. Sie sprach mit den französischen Soldaten, und sie hat wohl die ersten Anweisungen erhalten und übersetzt. Die Spitze setzte sich bald danach in Richtung Unterdorf in Bewegung. Wir durften alle mit unseren weißen Fahnen aus dem Keller herauskommen.

 

Diese „ersten Anweisungen", die am Tag des Einmarsches von Hand auf ein Stück Papier geschrieben worden waren, sind erhalten geblieben: [1.6]
1.) Die Dorfstraße ist sofort zu spritzen und in staubfreiem Zustand zu erhalten.
2.) Die Gewehre sowie sämtliche Waffen (einschließlich Jagdwaffen) und Munition sind sofort auf dem Rathaus abzugeben.
3.) Die Radio- und Photoapparate sind auf dem Rathaus abzuliefern.
4.) Die Fahrräder müssen zu Hause bleiben.
5.) Von abends 8 [bis] morgens 6 Uhr ist der Zivilbevölkerung das Verlassen der Wohnstätten verboten.
6) Alle Offiziere (kenntlich an den Achselstücken) sind zu grüßen. Auf die amtlichen Anschlagtafeln wird hingewiesen.


Kurze Zeit später erfolgten weitere Anordnungen:
[1.6]

Verbot jeglicher Versammlung. Keinem Besatzungssoldat darf irgendein Leid zugefügt werden. Bei Zuwiderhandlung haftet neben dem Bürgermeister auch die Gesamtbevölkerung. Sämtliche Kraft- und Fahrräder sind auf dem Rathaus abzuliefern. Kein Einwohner darf ohne Genehmigung undAusweis den Ort verlassen. Es darf ohne Genehmigung kein Vieh geschlachtet werden.

 

Noch am selben Tag übergibt Bürgermeister Meier den Ort Denzlingen offiziell an die Alliierten. Der Denzlinger Albert Schneider, der für die nächtliche Unterbringung und Bewachung der französischen Kriegsgefangenen zuständig war, wird sofort aufgegriffen, auf einen Panzer gezerrt und mitgenommen. Einige Zeit später wird er bei Freiburg tot aufgefunden.

 

Nach wenigen Wochen wird der Bürgermeister Meier abgesetzt und durch den Denzlinger Bürger Artur Haller ersetzt. Mehrere Funktionsträger der NSDAP, darunter auch junge Frauen, werden verhaftet und bei Emmendingen längere Zeit gefangen gehalten.

 

1945, Ende des Zweiten Weltkriegs,

Dem Zweiten Weltkrieg fallen 188 Denzlingerinnen und Denzlinger zum Opfer. Ihre Namen sind auf einer Gedenktafel an der Friedhofshalle festgehalten. Das Schicksal zweier von den Nationalsozialisten ermordeter Denzlinger wird in [1.6] besonders erwähnt: Anna Bassinger, geborene Reitzel (Tochter des Hirschenwirts) und Jakob Bühler (Landwirt in Denzlingen). Beide wurden in Ravensbrück bzw. in Bernburg/Saale, in der Gaskammer ermordet.

 
 
 

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1945, Beginn der Besatzungszeit
Das Einrücken der Franzosen und damit das Ende der NS-Zeit wurde nach Berichten von Zeitzeugen zunächst keineswegs von allen als Befreiung empfunden. In den ersten Tagen nach dem 21. April herrscht große Verunsicherung im Dorf, bis die Besatzungstruppen entsprechend präsent und die Befehlsstrukturen eingerichtet sind. Es kommt zu Plünderungen und Vergewaltigungen, auch durch Denzlinger selbst. Nach der Besetzung des Ortes gibt es Übergriffe und Plünderungen durch die ehemaligen gefangenen Serben. Die Zigarrenfabriken Strohm und das Gasthaus Arnold werden geplündert und das Inventar demoliert. Der 65-jährige Denzlinger Mathias Sillmann wird von Plünderern erschossen. Berichtet wird auch von

Vergewaltigungen durch französische Soldaten afrikanischer Herkunft. Die gesamte Ernte des Jahres 1945 wird beschlagnahmt. Die Denzlinger müssen ihre Radios und Fotoapparate abgeben und über viele Monate hohe Abgaben an Rinder, Schweinen, Hühner, Milch, Eiern, Gemüsf Obst und Wein leisten. Dies erklärt, dass die Bevölkerung das Kriegsende nur bedingt als Befreiung empfunden hat. Die Besetzung mit ihren spürbaren Lasten und die Sorgen sind noch zu groß.

 

Gemeindeverwaltung
Die „Besatzungszeit" beginnt damit, dass die französische Militärregierung den Bürgermeister Meier am 15.5.1945 seines Amtes enthebt und Arthur Haller als kommissarischen Bürgermeister einsetzt.


[3.33] Bürgermeister Haller hatte in den ersten Monaten alles, was die Militärregierung anordnete, zu organisieren. Er wurde von der Militärregierung für Zählungen, Beschlagnahmungen, Umsetzung von Verordnungen persönlich verantwortlich gemacht. Er stand permanent zwischen der Militärregierung und der einheimischen Bevölkerung. Oft hat er sich unerschrocken mit der Militärregierung auseinander gesetzt und für die Denzlinger Bevölkerung Vorteile erstritten und Anordnungen abgemildert.

 

Dieser richtet am 11. Juni ein Gesuch an das „Gouvernement Militaire, Detachement d' Emmendingen" (französische Militärregierung) und bittet um die Freilassung der 11 Männer und 5 Frauen aus Denzlingen, die am 31. Mai durch die Militärregierung wegen ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit festgenommen wurden und in einem Lager bei Emmendingen untergebracht waren.

 

Schülerspeisung

[3.33] Für die Schüler gibt es bis 1949 die sogenannt Schülerspeisung, die in einer Küche im Keller des alten Rathauses zubereitet wird ... Vermutlich begann dies erst nach 1947. 1949 war die Speisung noch im Gange. Jeder Schüler musste ein Essgeschirr/Kochgeschirr in die Schule mitbringen. Da hinein bekam er eine Portion dieser Schülerspeise. Einige Beispiele aus den damaligen Speiseplänen: Mehlbrei mit Rosinen; Bohnensuppe mit Fleisch; Schokolade mit Milch; Grießbrei mit Trockenobst; Erbsensuppe. Wie wichtig sie waren, zeigt eine Auswertung einer Untersuchung von 380 Denzlinger Schülern. Danach lagen: 10% gewichtsmäßig im Durchschnittsbereich, 65% lagen 2 kg und mehr unter dem Durchschnittsgewicht, 35% lagen 5 kg und mehr unter dem Durchschnittsgewicht. 35% der Kinder hatten einen Kropf und bei 10% wurde Krätze und Hautausschlag festgestellt. Bei sämtlichen Kindern fehlte es an ordentlichem Schuhwerk.
 

Verpflegung der Besatzungssoldaten

[1.6] Für die Verpflegung der Besatzungssoldaten hatte die Gemeinde aufzukommen. Der kommandierende Offizier gab dem
Bürgermeister die Artikel und Mengen bekannt, und dieser musste das Geforderte innerhalb der gesetzten Frist, oft eines
Tages, zusammenzubringen und an das Militär abliefern. ...Diese erzwungenen Abgaben hinderten die französischen Soldaten aber nicht daran, im Ort zu plündern. Immerhin ermunterte der Kommandeur aber den Bürgermeister, ihm solche Ausschreitungen anzuzeigen.

 

Übergriffe, Plünderungen, Vergewaltigungen

[3.33] Dass Plünderungen ein Thema war, geht aus einem Plakat hervor, das im Gemeindearchiv vorhanden ist und auf dem sogar mit der Todesstrafe gedroht wurde. Die ehemaligen serbischen Kriegsgefangenen brachen in Fabriken und Privathäuser ein. Es gab umfangreiche Beschlagnahmungen. Die französische Militärregierung beschlagnahmte zwischen dem 21.4. bis 31.12.1945 insgesamt: 17 Stck. Großvieh; 8 Kälber; 3 Schweine; 250 Hühner. 59.300 Ltr. Milch; 65.000 Eier; 70 Ztr. Äpfel; 100 Ztr. Birnen; 57 Ztr. Zwetschgen; 100 Ztr. Gemüse. Die komplette Maisernte und Weinernte 1945 wurden beschlagnahmt. Der gesamte Bestand an Wein und Spirituosen in den Gasthäusern und bei den Bauern wurde beschlagnahmt. Das waren 4.700 1. Wein; 10.200 1. Apfelmost und 80 1. Bier. Die Landwirte hatten je nach Betriebsgröße lange Zeit Abgaben von den Ernteertägen, von Vieh, Hühnern, Eiern und Milch zu leisten.

 

Am 22. Juni 1945 berichtet der katholischen Pfarrer Dr. Pfaff: [1.6] Am 21. April wurde der Ort übergeben. Ziemlich harmlose Schießerei, die Parteileute verhielten sich ruhig. Einige Tage Besatzung, ziemlich viele Plünderungen, die auch jetzt noch immer von auswärts her unternommen werden, an denen auch Serben und andere Nationalitäten beteiligt sind. Eine Anzahl Vergewaltigungen. ... Mädchen haben sich tapfer erwehrt, eines im Pfarrhaus Zuflucht gefunden. Trotz der sofortigen Übergabe des Ortes und obwohl der Unterzeichnete in der nationalsozialistischen Zeit Exzesse der Parteileute kaum festzustellen hatte, ist eine verhältnismäßig hohe Zahl an Verhaftungen erfolgt, etwa 20, darunter eine Frau und drei Mädchen.... Meine vielen Bemühungen um Haftentlassung der Gefangenen blieben bisher ohne Erfolg.

 

[1.6] Nach dem Einmarsch plünderten Dorfbewohner die Zigarrenfabriken und das Gasthaus Arnold. Ehemalige russische und serbische Kriegsgefangene zogen nachts umher. Der 65jährige Denzlinger Mathias Sillmann, der im Haus neben dem Mauracher Hof wohnte, wurde am 27. Juni von Plünderern, denen er sich in den Weg stellte, erschossen. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die französische Besatzung eine Ausgangssperre verhängte und ein generelles Versammlungsverbot erließ. Die Mitglieder der NSDAP mussten sich melden beziehungsweise gemeldet - werden.

 

Da der Verkauf von Tabakwaren verboten wurde, blühte der Schwarzhandel. Tabak wurde zeitweise zu einer Art Ersatzwährung.

An einem Tag in der Woche wurde der elektrische Strom im Ort abgeschaltet. Alle Schulbucher, welche in der NS-Zelt verfasst oder herausgegeben worden waren, mussten, gleichgültig ob es sich um Privatbesitz oder Schuleigentum handelte, am 10. Juli im Rathaus abgeliefert werden. Dabei kamen ca. 500 kg Bücher zusammen 93 Ferner wurden Hausschlachtungen verboten.

Am 14. Juli war nun auch in der französischen Besatzungszone der französische Nationalfeiertag verbindlich.

 

Beschlagnahmung von Wohnungen, Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen, Wohnungsnot

Bereits in den letzten Kriegsmonaten, besonders jedoch nach Kriegsende kommen zahlreiche Ausgebombte, Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene in den Ort. Die Flüchtlinge kommen von Ost- u Westpreußen sowie aus Schlesien. Die Evakuierten stammen aus den zerbombten Städten wie Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Karlsruhe, Köln, Mannheim, Stuttgart und anderen Orten. Sie alle benötigen eine Unterkunft, was große Probleme macht - besonders, weil auch die französische Besatzung einiges an Wohnraum (besonders der gehobeneren Qualität) beschlagnahmt hatte, auch für deutsche Raketen-Ingenieure in französischen Diensten. Es herrscht große Wohnungsnot, sodass der Bürgermeiser sogar eine Zuzugssperre für Denzlingen beantragt. Am 1. Dezember werden daraufhin sämtliche Häuser, Wohnungen und Bewohner erfasst: 416 Häuser mit 575 Wohnungen und 2.536 Bewohner.

 

Im August 1946 betrug die Zahl der Wohnungssuchenden in Denzlingen 48 Familien. Im September 1947 waren es 53 Familien und im Dezember 1948 immer noch 33 Familien, die eine Wohnung suchten.

 

[1.6] Ausserdem .. wurde angemerkt, dass 4 Wohnungen mit 14 Zimmern sowie 35 Einzelzimmer von der französischen Besatzung beschlagnahmt waren, und es befinden sich ca. 250 nachdem Krieg zugezogene Flüchtlinge im Dorf. Im Einzelnen ist festgehalten, dass sich im Spätjahr 1945 noch 45 Polen, davon 3 Kinder, 15 Ukrainer, 1 Tscheche und 1 Russe in Denzlingen aufhielten. Am 20. August 1946 beschlagnahmte die Militärregierung zur Unterbringung eines technischen Kommandos insgesamt 19 Wohnungen mit ca. 800 qm. Nur wenige Denzlinger wussten, dass es sich bei diesem „technischen Kommando" um ehemalige Ingenieure der Raketenforschungsstelle in Peenemünde handelte, die ihre Forschungen in Emmendingen für zukünftige französische Raketen fortsetzen sollten. Bis zur Verlagerung in das Forschungszentrum in Vernon/Seine 1949 lebten diese Raketenforscher mit ihren Familien hier im Ort. Die Wohnungsnot dauerte noch lange an. Ende 1947 suchten in Denzlingen 51 Familien mit 155 Personen eine Wohnung, und Ende März 1948 betrug die Zahl der Wohnungssuchenden noch immer 44 Familien mit 129 Personen.

 

Entnazifizierung

Dem beruflichen und gesellschaftlichen Neuanfang geht für alle Deutschen die Prüfung voraus, ob und in welchem Maße sie während der NS-Zeit in die nationalsozialistischen Organisationen eingebunden waren. Den Fragebogen des „Gouvernement Militaire en Allemagne" müssen alle Personen, die Mitglied in der NSDAP waren, ausfüllen. Wenn nichts Strafwürdiges vorlag, stellen die französischen Behörden eine Bescheinigung über die politische Unbedenklichkeit aus.

[1.6] Für einige Denzlinger hatte diese „Entnazifizierung" gravierende Folgen; denn es wurden Strafen in Form von Sühneleistungen in Geld, Einkommens- und VermögensKonfiszierungen, Auflösung des Dienstverhältnisses, Berufsverbot, Bewährungsstrafen oder Heranziehung zu gemeinnütziger Arbeit verhängt.

 

Ernährung und Hamsterei
[3.33] Wer keinen Garten und kein Feld besaß, für den war die Versorgung mit Lebensmitteln in der ersten Zeit nach dem Krieg problematisch. Die Gemeinde half wo es ging. So wurde der erst 1938 angelegte Sportplatz entlang der Hindenburgstraße in Kleingärten umgewandelt und an die Einwohnerschaft verteilt.


Mit "Hamsterei" [3.33] .. bezeichnete man das Betteln, Tauschen, kurz das Besorgen von Lebensmitteln der Stadtbevölkerung auf dem Lande. An den Abenden und den Wochenenden im Sommer/Herbst 1945 kamen zahlreiche Menschen aus Freiburg mit Rucksack, Taschen und Körben ausgestattet aufs Land, um nach Eßbarem zu suchen. Oft boten sie im Tausch für Obst und Gemüse Schmuck, Spielsachen, Teppiche oder anderes an.

 

1945 (31.10.), Gemeinderatskomitee eingerichtet
Anfang Oktober 1945 ordnet die Militärregierung an, dass zur Beratung und Unterstützung des Bürgermeisters ein Gemeinderatskomitee einzurichten ist. Am 31.10.1945 werden 6 Personen als Komiteemitglieder verpflichtet.
Dies ist nur ein ersten Schritt auf dem Weg zu einer neuen Selbstverwaltung, bis am 15.9.1946 der erste freie Gemeinderat gewählt werden kann.

 

1946 (15.9.), Erste freie Gemeinderatswahlen nach der Kapitulation

Für diesen Tag wird die Ausgangssperre durch die Militärregierung aufgehoben. Das Versammlungs- und Kundgebungsverbot bleibt jedoch bestehen. In Denzlingen bewerben sich 17 Bürger für die 8 Sitze auf drei Listen, Badische Christliche Soziale Volkspartei (BCSV, eine Vorläuferpartei der CDU in Südbaden), eine parteilose Wählergruppe und die kommunistische Partei. 1.379 Denzlinger gehen zur Wahl (eine ansehnliche Wahlbeteiligung von 92,86 %). Die parteilose Wählergruppe erringt 6 Sitze, die Badische Christliche Soziale Volkspartei erhält 2 Sitze, die Kommunistische Partei geht leer aus.

 

1946 (22.11.), Wahl des Bürgermeisters durch den Gemeinderat
Am 14. November werden die acht Gemeinderäte verpflichtet und am 22. November wählt der neu gebildete Gemeinderat in geheimer Wahl aus seiner Mitte Arthur Haller zum Bürgermeister und Karl Scherberger zum Beigeordneten. Mit den ersten Kreistagswahlen wird der Demokratisierungsprozess am 13. Oktober fortgesetzt. Die Wahlbeteiligung fällt in Denzlingen mit 77,5 % wesentlich geringer aus als bei den Gemeinderatwahlen vier Wochen zuvor.

 

1947 (18.5.), Die ersten Landtagswahlen verbunden mit einer Volksabstimmung über die neue Badische Verfassung

Sie finden am 18. Mai 1947 statt mit einer Wahlbeteiligung in Denzlingen von nur 66 %.

1948 (20.7.), Währungsreform
Währungsreform. Die „Deutsche Mark" wird eingeführt. Mit der Währungsreform können die Versorgungs- und Wohnungsprobleme zwar nicht gelöst werden, doch markiert sie eine Wende zu einer besseren Zeit. Die Reichsmark wird durch die „Deutsche Mark" ersetzt. Jeder Einwohner erhält ein Startgeld von 40 DM. Die Lebensmittelmarken und Bezugsscheine entfallen und allmählich werden die Regale in den Geschäften auch wieder gefüllt. Zehn Tage später wird die Bezugsscheinstelle im Rathaus aufgelöst, und am 12. August wird die zentrale öffentliche Bewirtschaftung aufgegeben. Der Zuzug von Flüchtlingen hält indes unvermindert an, und es herrscht weiterhin große Wohnungsnot. Die Schulkinder bilden immer noch Schlangen vor dem Rathaus, um die „Schülerspeise" in Empfang zu nehmen. In zahlreichen Familien wartet man noch auf den Vater, den Mann oder Sohn, die noch in Kriegsgefangenschaft sind.

Wenn auch die Zukunft noch ungewiss ist: Die Menschen machen sich an die Arbeit sorgen für ihr tägliches Auskommen und hofften auf eine friedlichere Zukunft.

1948 (14.12.)
Georgskirche: In einem Schenkungsvertrag überträgt die politische Gemeinde der ev. K chengemeinde das Kirchengelände mit Kirchengebäude.
[GA-DE. 2 A-475, Kirchensachen 1950-1 £]

1949 (02.09.)
Die drei neuen Glocken werden in einem großen Umzug, unter Beteiligung der Vereine und großer Teile der Bevölkerung durch das Dorf zum Kirchplatz gefahren. (Heimatverein besitzt Filmdokument). Glockenweihe am 09.09.

     

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  um 1950
Die Einwohnerzahl beträgt noch weniger als 3 000 Personen.

1951
In der Georgskirche wird ein elektrisches Läutwerk installiert. Bisher hatte der jeweilige Konfirmantenjahrgang das Läuten übernommen.

1953 (15.05.)
Das Bad. Bezirksbauamt Freiburg führt ein Probeläuten am ev. Kirchturm durch und stellt starke Schwankungen des Turmes in Höhe des Glockenstuhles, und insbesondere des steinernen Helmes, fest.
 Mitteilung an das Bürgermeisteramt am 12.06.1953.
[GA-DE. 2 A-475, Kirchen 1950-1983]

1954 (10.12.)
Albert Höfflin tritt sein Amt als neuer Bürgermeister von Denzlingen an.

1955 - 1959  - Georgskirche
Am 09.02.1955 bittet Bürgermeister Albert Höfflin das Regierungspräsidium Südbaden um Klärung der Baupflichtigkeit für den Denzlinger ev. Kirchturm. [GA-DE. 2 A-475, Kirchen 1950-1]

Am 13.12.1957 bittet der Kirchengemeinderat Denzlingen um Erlaubnis zum Abbruch der Kirchturmpyramide. Dies wurde abgelehnt.
[GA-DE. 2 A-475, Kirchen 1950-1983]

Am 12.03.1958 findet im ev. Pfarrhaus in Denzlingen eine Besprechung in Sachen Kosten für die Turmrenovierung statt. Der Kostenvoranschlag des Architekten lautet:
Verlegung des Glockenstuhles = 12.000 DM;
Turmreparaturen = 120.000 DM;
Turmverputz =11.000 DM;
Gebühren u. unvorhergesehenes = 7.000 DM.
Zusammen = 150.000 DM. [GA-DE. 2 A-475, Kirchen 1950-1983]

Am 05.12.1959 ergibt ein Ortstermin mit Probeläuten, daß Turm und Pyramide nicht mehr schwanken.
[Archiv d. Staatlichen Amtes für Denkmalpflege Freiburg, Akten Denzlingen]

1960 (8.1.)
Die Erfolgsgeschichte des Wasserversorgungsverbandes Mauracher Berg beginnt 1959 mit dem Zusammenschluss der Gemeinden Buchholz, Denzlingen, Kollmarsreute, Vörstetten, Reute und Wasser zu einem Planungsverband. Durch Beschluss der Verbandsversammlung wird am 8.1.1960 im Rathaus Denzlingen der Zweckverband "Wasserversorgungsverband Mauracherberg" gegründet. Kollmarsreute scheidet bald darauf wieder aus dem Verband aus.

Mit Beschluss der Verbandversammlung und entspr. Satzungsänderung am 5.1.1961 wird der Wasserversorgungsverband Glottertal (Föhrental, Heuweiler, Unter- und Oberglottertal, Ohrensbach) Mitgied im Zweckverband.

Am 1.1.1973 tritt der Wasserversogungsverband Waldkirch-Kollnau bei. Mit Ausnahme von Bucholz und Suggental wird Waldkirch nur soweit versorgt, weil  eigene Quellen am Kandel nicht ausreichen.

1960
Einweihung der Neuapostolischen Kirche in der Zähringerstraße.

1960/61
Renovierung der evangelischen Kirche. Aus statischen Gründen muß die Glockenaufhängung geändert werden. Der Wetterhahn wird durch ein Strahlenkreuz ersetzt.

Am 24.03.1960 schlägt der Vertreter der Denkmalpflege Pfarrer Leser vor, die bisher auf der Turmspitze angebrachte Wetterfahne mit der Inschrift „Vogt Rappold 1827" zu entfernen und an dessen Stelle ein vergoldetes Strahlenkreuz anzubringen.
[Archiv d.Staatlichen Amtes f.Denkmalpflege Freiburg, Akten Denzlingen]

Am 08.06.1960 wird eine neue elektrische Kirchturmuhr durch die Gemeinde angeschafft. Es werden Zifferblätter an allen vier Turmseiten, an den Fenstern des Glockenstuhles, angebracht.
[GA-DE. 2 A-475, Kirchensachen 1950-1983]

Am 10.09.1961 wird die umgebaute und renovierte Georgskirche mit einem feierlichen Gottesdienst wieder eingeweiht.

1961 (6. 6.)
Denzlingen hat 4099 Einwohner.

1970
Die Gemeinde erwirbt den Mauracher Hof durch Kauf von der Familie Sonntag. Der seit dem Beginn des Jahrhunderts mit Familienmitgliedern belegte kleine Friedhof neben der Kapelle auf dem Berg wird in der Folgezeit geräumt, die Grabsteine bleiben stehen.

1971
In Glottertal wird eine Predigtstelle der evang. Kirchengemeinde Denzlingen eingerichtet.


1972(1. 1.)
Denzlingen und Vörstetten schließen sich zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammen.

1974 (5. 3.)
Der Denzlinger Gemeinderat beschließt eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Saint-Cyr-sur-Mer.

1974 (1. 6.)
Reute tritt dem Verwaltungsverband Denzlingen-Vörstetten bei.

1974 (19. 10.)
Fertigstellung und Eröffnung des Sportbades (Hallenbad). Im Frühjahr 1975 folgt die Eröffnung des Freibades.

1974 (26.10.)
Gründung der Städtepartnerschaft Denzlingen - St.Cyr und am 16.12.1974 Gründung des Partnerschaftskomitees Denzlingen - St.Cyr. Rainer Glaser wird 1. Präsident des Partnerschaftskomitees in Denzlingen und Eric Flesch wird 1. Präsident des Comite de Jumelage in St.Cyr.
Im Frühjahr 1973 hatte Josef Haas bereits Kontakt mit Bürgermeister Wolfram Dennig aufgenommen


1975 (4. 5.)
Grundsteinlegung zum Bau der katholischen St. Jakobskirche.

1976 (28. 11.)
Einweihung der St. Jakobskirche durch den Freiburger Erzbischof Dr. Schäufele.

1979 (11. 2.)
Einweihung des Gemeindehauses der evangelischen Kirchengemeinde. Während der Feierlichkeiten erlitt Karl Höfflin, ein engagierter Mann in der Kirchengemeinde, eine Herzattacke an der er verstarb. Nach ihm wurde das neue Haus „Karl-Höfflin-Gemeindehaus" benannt.

1980 (November)
Fertigstellung des Bildungszentrums an der Stuttgarter Straße (4. Bauabschnitt).

1982 (30. 6.)
Denzlingen hat 10.704 Einwohner. Die Gesamtfläche umfaßt 1697 ha.

1983
Infolge der Größe der Gemeinde wird eine zweite Pfarrei, die Nordpfarrei im Heidach, eingerichtet.

1983
Die große Schulsporthalle wird erbaut

1983 (30. 6.)
Die Einwohnerzahl steigt auf 11.062 Personen, davon 5 420 männlichen und 5 642 weiblichen Geschlechts.

1984 (07.07)
Tausend-Jahrfeier Denzlingen und 10 Jahre Partnerschaft Denzlingen - St.Cyr.

1988 (17.09.)
Gründung der Städtepartnerschaft Denzlingen - North Hykeham. North Hykeham in England schließt sich der Städteparterschaft mit Denzlingen an. Im April April 1989 folgt die Feier der Partnerschaft North Hykeham - Denzlingen in North Hykeham.

1988
A
n der Leipziger Straße entsteht ein Seniorenzentrum mit Pflegestation.

1989/90
Pfarrhaus und Pfarrsaal der Nordpfarrei in der Allmendstraße 3 werden erbaut.

1992
Als erster Denzlinger Olympiateilnehmer gewinnt Christian Meyer in Barcelona im Radsport eine Goldmedaille.

1992 (22.12.)
Gründung des Partnerschaftskomitees Denzlingen - Cittä della Pieve in Denzlingen.
Am 24./25.04.1993 folgt die Partnerschaftsfeier Cittä della Pieve - St.Cyr in Cittä della Pieve

1993 (18./19.09.)
Partnerschaftsfeier St.Cyr - Cittä della Pieve in St.Cyr

1994 (25./26.06.)
20 Jahre Partnerschaft Denzlingen - St.Cyr in Denzlingen
5 Jahre Partnerschaft Denzlingen — North Hykeham
Città della Pieve im italienischen Umbrien schließt sich der Städteparterschaft mit Denzlingen an .
Gründung der Partnerschaft Denzlingen - Cittä della Pieve
Gründung der Dreier-Städtepartnerschaft

1995 (Februar)
Erfahrungsaustausch über „Jumelage" zwischen zehn Komitees aus dem Landkreis Emmendingen in Denzlingen.

1996
Das neue Rathaus wird als Verwaltungsgebäude für den Gemeindeverwaltungsverband Denzlingen-Vörstetten-Reute erbaut.

1997 (1.6.)
Seit Juni 1997 gibt es in Denlingen einen Jugendgemeinderat.

1998
Das alte Rathaus, 1908 erbaut, wird grundlegend renoviert.

1999 (11.07.)
Denzlingen feiert Partnerschafts-Jubiläen mit Einweihung der Kreisverkehre im Ort
25 Jahre Partnerschaft Denzlingen - St.Cyr
10 Jahre Partnerschaft Denzlingen - North Hykeham
5 Jahre Partnerschaft Denzlingen - Cittä della Pieve
5 Jahre Dreier-Städtepartnerschaft Denzlingen - St.Cyr - Cittä della Pieve
 

 
 
 


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Update 20-04-2017 08:40 RZ